Im Zuge der stärkeren Internationalisierung führen deutsche Unternehmen auch ihre Innovations-, Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten zu einem immer höheren Anteil in ihren ausländischen Tochtergesellschaften durch. Häufig wird diese Internationalisierung im FuE-Bereich als zentrale Bedrohung für eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung in der Bundesrepublik gesehen, da Deutschland nicht nur ein zunehmend inferiorer Produktionsstandort, sondern auch ein immer schlechterer FuE-Standort sei. Diese Sichtweise ist allerdings nicht unumstritten. Vielfach wird auch argumentiert, FuE-Direktinvestitionen deutscher Unternehmen im Ausland seien gerade ein Beleg für die technologische Stärke des Standortes Deutschland. Das Projekt hat die Operationalisierung und den empirischen Test der konkurrierenden Erklärungsansätze zum Ziel. In der Literatur werden drei Gruppen von Motiven der Internationalisierung beschrieben:

  • Internationalisierung von FuE zur Erweiterung lokaler Marktpositionen (Markterschließungsthese),
  • Internationalisierung von FuE zur Partizipation an lokalen Know-how-Vorsprüngen (Technology-Sourcing-These),
  • Internationalisierung der FuE als "by-product" der Internationalisierung der Produktion (By-Product-Hypothese).

Mit den Direktinvestitionsdaten des amerikanischen Handelsministeriums liegen Informationen zu den FuE-Aufwendungen amerikanischer Unternehmen außerhalb der USA für den Zeitraum 1989 bis 1997 vor. Diese Daten werden zur Validierung der Hypothesen herangezogen. Es wird ein Panelregressionsmodell aus 12 Industrien und 61 Zielländern über neun Jahre zur Erklärung der FuE-Aktivitäten durchgeführt. Der Internationalisierungsprozess ist häufig von historischen Einzelentscheidungen und nicht von einer Standortstrategie geprägt. Mit Hilfe einer Analyse der bisherigen Entwicklung soll eine Strategie zur internationalen Allokation der FuE multinationaler Unternehmen abgeleitet werden.