In den vergangenen 30 Jahren hat der Anteil weiblicher Erwerbstätiger in den Industriestaaten stark zugenommen, während sich der Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen deutlich verringert hat. Im selben Zeitraum hat sich der Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) am Arbeitsplatz stark verbreitet. Zahlreiche Untersuchungen führen die Zunahme der Erwerbstätigkeit von Frauen und ihre bessere Entlohnung auf die Veränderung der Produktionsstruktur und die Angleichung der formalen Bildungsniveaus von Frauen und Männern zurück. Trotz einer zunehmenden Angleichung unterscheiden sich die von Männern und Frauen ausgeübten Tätigkeiten heute im Schnitt noch deutlich. Inwieweit Frauen auf dem Arbeitsmarkt von veränderten Anforderungen, die mit dem Einsatz von IKT zusammenhängen, profitiert haben, wurde bislang wenig untersucht.

Das Projekt verglich verschiedene theoretische Ansätze, die zur Erklärung geschlechtsspezifischer Wirkungen von IKT-Nutzung herangezogen werden können. Darauf aufbauend wurden mehrere Zusammenhänge empirisch untersucht. Zum einen betrachtete das Projekt die Auswirkungen von IKT-Nutzung auf die Löhne von Frauen und Männern unter Berücksichtigung unterschiedlicher Tätigkeitsinhalte. Hierbei wurde auf die BIBB/IAB-Erhebung zu Qualifikation und Erwerbsverlauf zurückgegriffen, die eine Unterscheidung von Routine- und Nichtroutinetätigkeiten erlaubt. Es zeigt sich, dass eine Verschiebung von Routinetätigkeiten hin zu Nichtroutinetätigkeiten über die Zeit hinweg, vor allem ein Rückgang von Routinetätigkeitsinhalten bei Frauen, im Zusammenhang mit einer Verringerung des Lohnabstandes zwischen Frauen und Männern steht. Diese Verschiebung kann zum Teil auf die Diffusion von IKT zurückgeführt werden.

Weiterhin wurden heterogene Effekte von IKT-Nutzung auf die Löhne betrachtet. Da Frauen und Männer unterschiedlich stark in Berufen und Sektoren vertreten sind, lag es nahe, nicht den Lohnunterschied durch IKT in einem gegebenen Beruf zu untersuchen, sondern zu überprüfen, wie sich Lohnzuschläge für IKT-Nutzung über Berufssparten und Branchen hinweg unterscheiden. Eine Model Averaging Analyse auf Basis der BIBB/IAB-Erhebung ergab, dass der Lohnunterschied zwischen IKT-Nutzern und Nichtnutzern in den 1980er und 1990er Jahren bei Frauen im Durchschnitt 2-5 Prozent höher ist als bei Männern, wenn man demographische Merkmale, Berufsgruppen und Industriezweige konstant hält. Hingegen lässt sich nicht nachweisen, dass traditionell von vielen Frauen ausgeübte Berufe, wie Büroangestellte, überdurchschnittlich von IKT-Nutzung profitiert hätten.
 

Ausgewählte Publikationen

Discussion Papers und Working Papers