ZEW Lunch Debate in Brüssel - Jugendarbeitslosigkeit fordert Einsatz von Bildungspolitik, Tarifpartnern und Arbeitsmarktinstitutionen

ZEW Lunch Debate in Brüssel

Wie kann die Jugendarbeitslosigkeit in Europa am effektivsten bekämpft werden? Unter dieser Hauptfrage stand die ZEW Lunch Debate am 18. November in der Brüsseler Vertretung des Landes Baden-Württemberg bei der EU. Prof. Dr. Holger Bonin, Arbeitsmarktökonom am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, wies in seiner Präsentation darauf hin, dass Jugendarbeitslosigkeit nicht als ein rein konjunkturelles Phänomen betrachtet werden dürfe, das sich in Zeiten wirtschaftlicher Erholung von selbst löst.

Jugendarbeitslosigkeit sei zwar eine drängende, aber keine neue Hürde in Europa – in vielen EU-Staaten bewegen sich die Zahlen auf dem Niveau des Jahres 2000, so Bonin. Vielmehr handele es sich um ein strukturelles Problem mit mehreren Ursachen, dessen Bekämpfung Anstrengungen auf den Ebenen von Bildungspolitik, Tarifpartnern und Arbeitsmarktinstitutionen erfordere.

Neben Holger Bonin saßen Dr. Max Uebe als Referatsleiter der Generaldirektion für Beschäftigung, Soziales und Inklusion der Europäischen Kommission, die Europaparlamentarierin Jude Kirton-Darling von der britischen Labour Party sowie Dr. Gerhard Dambach von der italienischen Robert Bosch Aktiengesellschaft (S.p.A.) auf dem Podium. ZEW-Forschungsbereichsleiter Bonin sowie Olaf Hahn, Senior Vice President der Robert Bosch Stiftung, eröffneten die Veranstaltung vor rund 70 Gästen, darunter Vertreter des Europäischen Parlaments, der EU-Kommission, verschiedener auf diesem Gebiet aktiver NGO und Unternehmen.

Uebe betonte die zentrale Rolle der Jugendgarantie in der Strategie der EU-Kommission gegen Jugendarbeitslosigkeit. Es gehe dabei um weit mehr als lediglich eine arbeitsmarktpolitische Maßnahme, sondern um eine umfassende Initiative unter Beteiligung aller relevanten Interessengruppen. Jude Kirton-Darling, deren Wahlkreis im Nordosten Englands besonders stark von Jugendarbeitslosigkeit betroffen ist, sprach sich für eine aktivere Wachstumspolitik in Europa aus – wie sie der neue Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker vor Kurzem in einem Investitionsprogramm in Höhe von 300 Milliarden Euro angekündigt hatte. Dr. Gerhard Dambach berichtete von der Initiative der Robert Bosch GmbH in Italien, eine dem dualen System in Deutschland vergleichbare Ausbildung von Jugendlichen zu schaffen.

In der anschließenden Diskussion brachte das Publikum weitere Aspekte in die Debatte ein: Welche Rolle sollen private Arbeitsvermittler neben den öffentlichen Institutionen spielen? Ebnen niedrigere Einstiegsgehälter für junge Arbeitnehmer den Einstieg in den Arbeitsmarkt? Ist ein geringerer Kündigungsschutz eine geeignete Maßnahme? Fragen, die die EU, betroffene Länder und Experten auch über den Horizont der ZEW Lunch Debate hinaus beschäftigen dürften - gemessen an der Bedeutung des Themas Jugendarbeitslosigkeit.

Nähere Informationen zur Reihe ZEW Lunch Debates sowie die Termine der kommenden Veranstaltungen

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