Was werden die Auswirkungen des frisch vom EU-Parlament verabschiedeten Digital Markets Acts (DMA) sein? In welche Richtung wird sich die ökonomische Forschung zum Thema Privatsphäre entwickeln? Diese und viele weitere Fragen diskutierten rund 80 Digital-Ökonominnen und -Ökonomen am 7. und 8. Juli 2022 auf der Konferenz „Economics of Information and Communication Technologies“ am ZEW Mannheim. Die vom ZEW-Forschungsbereich „Digitale Ökonomie“ organisierte Konferenz ist seit Jahren eine der wichtigsten wissenschaftlichen Konferenzen im Bereich der digitalen Ökonomie.

Gruppenbild IKT-Konferenz

Passend zum 20. Jubiläum konnte sie nach zwei Jahren pandemiebedingter Online-Ausgaben nun wieder in Präsenz stattfinden. Über zwei Tage hinweg präsentierten und diskutierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der ganzen Welt in parallel ablaufenden Sitzungen ihre aktuellen Forschungsergebnisse.

Dabei wurde ein reichhaltiges Themenspektrum bearbeitet: Wettbewerb auf digitalen Marktplätzen, Digitalisierungsprozesse in Unternehmen und die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Gesellschaft standen ebenso auf der Agenda wie die Effekte algorithmischer Empfehlungssysteme und Forschung zu Social Media. Es wurden wie gewohnt sowohl theoretische als auch empirische Arbeiten vorgestellt.

Zwischen den Sitzungen nutzten die angereisten Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen die Gelegenheit, sich über ihre aktuellen Arbeiten auszutauschen, kritisch nachzufragen und sich dabei international zu vernetzen. Ob in angeregten Gesprächen auch die eine oder andere Forschungsidee entstanden ist, wird sich möglicherweise auf der Konferenz im nächsten Jahr zeigen.

Digital Markets Act für viele Konsumenten erfreulich

Die Keynote am ersten Konferenztag wurde von Fiona Scott Morton, Professorin an der Yale School of Management, gehalten. Sie sprach über die zu erwartenden Konsequenzen des Digital Markets Acts auf den Wettbewerb zwischen digitalen Plattformen und wie sich dies auf den Alltag von Konsumenten und Konsumentinnen auswirken könnte: Viele Nutzende freuten sich beispielsweise über die Aussicht auf fallende Preise für online angebotene Dienstleistungen und die Möglichkeit, Nachrichten zwischen Messenger Apps – wie z.B. WhatsApp oder Telegram – hin- und herzuschicken. Gleichzeitig wies sie aber auch darauf hin, dass es von der Umsetzung und Durchsetzung des Digital Markets Acts abhinge, ob die Verordnung zu einem Erfolg wird oder nur ein zahnloser Papiertiger bleibe.

Privatsphäre umfasst mehr als Geheimhaltung

Alessandro Acquisti, Professor an der Carnegie Mellon University, hielt die Keynote am zweiten Konferenztag. Er gab zunächst einen Überblick über die Entwicklung der ökonomischen Forschung zum Thema Privatsphäre und sprach dann über die Aspekte, auf die sich Forschende seiner Meinung nach in der Zukunft fokussieren sollten. Traditionell würden Ökonomen und Ökonominnen Privatsphäre als reines Geheimhalten von Informationen definieren, so Acquisti. In der Zukunft könnte es für die Forschung jedoch sinnvoll sein, ein umfassenderes Verständnis von Privatsphäre zugrunde zu legen. Auch das bewusst selektive Teilen von Informationen gehöre zu privaten Handlungen. Außerdem rief er die anwesenden Wissenschaftler/innen dazu auf, vermehrt auch die schwerer zu quantifizierenden Vorteile von Privatsphäre zu berücksichtigen.

Heinz König Young Scholar Award für beste Forschungsarbeit im PhD-Workshop

In diesem Jahr wurde die Konferenz durch einen PhD-Workshop für Doktorandinnen und Doktoranden am Vortag ergänzt. Während des Workshops wurden sechs ausgewählte Forschungsarbeiten vorgetragen. Die beste Arbeit wurde mit dem Heinz König Young Scholar Award ausgezeichnet, der nach dem Gründungspräsidenten des ZEW benannt ist. In diesem Jahr ging der Forschungspreis an Elisa Gerten von der Universität Basel für ihre Arbeit mit dem Titel „Information und Communication Technology, Hierarchy, and Job Design“. Der von SAP gesponserte Award wurde gemeinsam von Irene Bertschek, Professorin an der Universität Gießen und Leiterin des ZEW-Forschungsbereichs „Digitale Ökonomie“, und SAP-Finanzvorstand Luka Mucic überreicht.

Die Konferenz wurde finanziell durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützt.

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