Bereits zum zweiten Mal hat der Förderkreis Wissenschaft und Praxis am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung e.V. zwei Wissenschaftspreise verliehen. Damit ehrt der Verein herausragende wissenschaftliche Leistungen und wirtschaftspolitische Beratungsprojekte am ZEW Mannheim. Die Preise  sind jeweils mit 5.000 Euro dotiert und wurden in diesem Jahr vom Vorsitzenden des ZEW-Förderkreises und Vorstandsvorsitzenden der MVV Energie, Dr. Georg Müller, überreicht.

ZEW-Institutsleitung, Preisträger, Förderkreisvorstand und Gastredner.

Der Preis für die beste wissenschaftliche Leistung ging an Dr. Reinhold Kesler und seine Ko-Autoren, ZEW Research Associate Ass.-Prof. Dr. Ulrich Laitenberger von der Télécom ParisTech sowie Jun.-Prof. Dr. Matthias Hunold von der Universität Siegen, für ihre Studie „Hotel Rankings of Online Travel Agents, Channel Pricing, and Consumer Protection“. Darin untersuchen die Wissenschaftler, nach welchen Kriterien Hotelbuchungsportale im Internet ihre Ranglisten für Suchergebnisse erstellen.

Die Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Hotels schlechter in empfohlenen Suchergebnislisten platziert werden, wenn sie auf anderen Plattformen oder auf hoteleigenen Webseiten niedrigere Preise anbieten. Das bedeutet, dass sich die Reihenfolge der Suchergebnisse auf Buchungsportalen nicht unbedingt danach richtet, welches Hotel für die Kunden/-innen am besten geeignet ist. Für die Studie werteten die Autoren Suchergebnisse von drei verschiedenen Buchungsportalen aus. Dafür wurden mehr als 18.000 Hotels in 250 Städten über den Zeitraum von einem halben Jahr beobachtet. Das prämierte Papier wird in Kürze auch in der Zeitschrift „Marketing Science“ publiziert.

Die Studie sei von zentraler Bedeutung für Politik und Verbraucher/innen, sagte der ZEW-Förderkreisvorsitzende Georg Müller bei der Preisverleihung im Anschluss an den Vortrag des Wirtschaftsweisen Prof. Dr. Dr. h.c. Christoph M. Schmidt in der Veranstaltungsreihe „Wirtschaftspolitik aus erster Hand“ am ZEW. Bisher gebe es noch wenig wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse zur Regulierung von Online-Plattformen. Die Frage, welche Folgen bestimmte Geschäftspraktiken von Online-Plattformen für Wettbewerb und Verbraucherschutz haben können, sei in Zeiten der Digitalisierung des Konsumverhaltens hochaktuell, so Müller. „Mit den beiden Preisen möchte der Förderkreis herausragende Arbeiten am ZEW würdigen, die wissenschaftlich exzellent sind, auf hohe Resonanz in Politik, Gesellschaft und Medien treffen und eine Brücke zwischen Wissenschaft und Praxis schlagen“, hieß es in seiner Laudatio.

„Exzellente Forschungs- und Beratungstätigkeit am ZEW“

Mit dem Preis für das beste wirtschaftspolitische Beratungsprojekt wurde die Studie „How Europe Can Deliver“ ausgezeichnet, die in Zusammenarbeit mit der Bertelsmann Stiftung durchgeführt wurde. Dafür begleitete das Projektteam unter der Leitung von Prof. Dr. Friedrich Heinemann, Leiter des ZEW-Forschungsbereichs „Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft“, und Dr. Stefani Weiss, Direktorin des Brüsseler Büros der Bertelsmann Stiftung, ein Jahr lang die Verhandlungen zum neuen Mehrjährigen Finanzrahmen der EU. Ausgangspunkt war die Frage, wie eine neue Aufgabenteilung zwischen der EU und den Mitgliedstaaten aussehen kann, um Kosten zu sparen und Probleme je nach Politikbereich und Ebene effektiv zu lösen. Dabei gelangten die Wissenschaftler/innen zu dem Ergebnis, dass insbesondere eine Umgestaltung der Ausgaben für Landwirtschaft und Entwicklungshilfe einen europäischen Mehrwert schaffen könnte.

Georg Müller vom ZEW-Förderkreis hob in seiner Rede hervor, dass das Projekt in der Politik auf große Aufmerksamkeit gestoßen sei, sowohl im Bundestag als auch bei der EU-Kommission. Damit habe es in bedeutendem Maße dazu beigetragen, die Sichtbarkeit des ZEW auf der deutschen wie auch auf der europäischen Bühne zu stärken.

„Die beiden Wissenschaftspreise zeichnen exzellente Forschungs- und Beratungstätigkeit am ZEW aus“, so der kaufmännische Direktor des ZEW, Thomas Kohl. „Die diesjährigen Preisträger haben sich zudem in besonderem Maße um den Wissenstransfer und die Außenwirkung des ZEW verdient gemacht. Ich freue mich sehr, dass der ZEW-Förderkreis diese Leistungen honoriert und dass die Preise nun schon zum zweiten Mal vergeben werden können.“

Im vergangenen Jahr waren die Preise zum ersten Mal ausgelobt worden. Dr. Dominik Rehse hatte den Preis für die beste wissenschaftliche Leistung erhalten. Die Auszeichnung für das beste wirtschaftspolitische Beratungsprojekt ging an Prof. Dr. Irene Bertschek, Dr. Jörg Ohnemus, Dr. Thomas Niebel und Dr. Christian Rammer.