Wie wirken sich der demografische Wandel und der Klimawandel auf die Finanzmärkte und deren Akteure aus? Wie beeinflussen sie Finanzentscheidungen, Altersvorsorge, Zinsen oder sogar die Gestaltung sowie Regulierung von Finanzmärkten und Finanzinstituten? Zu diesen Fragen veranstaltete das ZEW Mannheim vom 6. bis 8. April 2022 eine Konferenz zum Themenkomplex Altern und Nachhaltige Finanzen.

Symbolbild einer Papierfigur auf Geld stehend.
Mit 13 ausgewählten Forschungsbeiträgen veranstaltete das ZEW Mannheim vom 6. bis 8. April 2022 eine Konferenz zum Themenkomplex Altern und Nachhaltige Finanzen.

Neben zwei Keynotes von führenden Experten für nachhaltige Finanzen und Banking wurden 13 ausgewählte Forschungsbeiträge von Gästen aus mehr als zehn verschiedenen Ländern präsentiert und diskutiert. Aufgrund der anhaltenden Corona-Pandemie fand die Konferenz online statt.

Keynotes zu nachhaltigen Finanzen und Green (Central) Banking

Paul Smeets, Professor für Philanthropie und nachhaltige Finanzen an der Universität Maastricht in den Niederlanden fasste in seiner Keynote mit dem Titel „Are investors willing to pay for sustainable investments?“ wichtige Erkenntnisse aus seinen Studien und Experimenten zu nachhaltigem Anlageverhalten zusammen. In Kooperation mit einem niederländischen Pensionsfonds zeigte er in einer Studie, dass viele europäische Anlegerinnen und Anleger tatsächlich Präferenzen für nachhaltige Investitionen haben. Vorstandsmitglieder von Pensionsfonds scheinen das jedoch bislang zu unterschätzen. Seine Arbeit belegt auch, dass Anlegerinnen und Anleger in Europa nur wenig auf höhere Gebühren für nachhaltige Fonds reagieren. Die Akzeptanz höherer Gebühren könne von Finanzberatern/-innen ausgenutzt werden – eine Erkenntnis, die Regulierungsbehörden im Auge behalten sollten. In der zweiten Keynote beleuchtete Professor Koen Schoors von der Universität Gent in Belgien das sogenannte Green Central Banking. Er beschrieb und diskutierte verschiedene Maßnahmen, die den Beitrag des Bankensektors zur Umstellung in Richtung einer grüneren Wirtschaft erhöhen könnten: So könnte beispielsweise eine Politik kontraproduktiv sein, die klimaschädlichere braune Investitionen lediglich bestrafe, ohne zugleich deren Rentabilität zu verringern. Er betonte auch, dass Zentralbanken den Klimawandel aufgrund seiner Auswirkungen auf Preis- und Finanzstabilität bei geldpolitischen Entscheidungen unbedingt berücksichtigen müssten.

Im restlichen Verlauf der Konferenz präsentierten Forscherinnen und Forscher ausgewählte Beiträge zu nachhaltigem Anlage- und Konsumverhalten von Haushalten, Bewertungen von nachhaltigen Geschäftspraktiken von Unternehmen (ESG-Ratings), der Rolle von Umkehrhypotheken für das Alterseinkommen, Auswirkungen makroökonomischer Schocks auf Sparentscheidungen und Folgen des demografischen Wandels sowie des Klimawandels für verschiedene Anlageklassen. Unter anderem wurden Forschungsansätze zur Beantwortung folgender Fragen diskutiert:

  • Wie sollten sozial verantwortliche, umweltbewusste Haushalte Investitionen und Konsum optimal kombinieren?
  • Wie wirken sich Informationen zum Klimawandel auf die Bereitschaft aus, für den Ausgleich von angefallenem CO2-Ausstoss zu bezahlen?
  • Welche Konsequenzen haben erlebte makroökonomische Schocks, also plötzlich eintretende gesamtwirtschaftliche Ereignisse mit Auswirkungen auf Angebot und Nachfrage wie Finanzkrisen oder Kriege, für die Vermögensverteilung und die Verteilung von Vermögen auf verschiedene Anlageklassen (Portfolio-Allokation)?
  • Wie beeinflusst das Zusammenspiel von Standard-Sparmotiven, Rentenentscheidungen, Anlagerenditen und -präferenzen sowie Hemmnissen auf dem Kapitalmarkt das lebenslange Sparen in verschiedenen Anlageklassen?
  • Wie wirkt sich der demografische Wandel auf Zinsen und Risikoprämien aus?
  • Welche Wohlfahrtseffekte haben Umkehrhypotheken? Wer profitiert am meisten?
  • Kommt es bei der Vergabe von Hypotheken zu Altersdiskriminierung?
  • Wie wirken sich Klimarisiken auf den Wohnungsmarkt aus?

Die Konferenz bot den Gästen einen hervorragenden Rahmen, die Zusammenhänge zwischen demografischem Wandel und Klimawandel – zwei der bedeutendsten makroökonomischen Langfristtrends – zu erörtern und sich mit interessierten Forscherinnen und Forschern aus aller Welt auszutauschen.

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Datum

12.05.2022

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