Die Expertinnen und Experten für Konjunktur hatten Anfang 2021 noch mit einem deutlich höheren Wachstum und vor allem einer erheblich niedrigeren Inflationsrate für Deutschland gerechnet. Für das Jahr 2022 bauen sie auf das eigentlich für 2021 prognostizierte Wirtschaftswachstum für Deutschland und Europa. Obwohl die aktuellen Inflationsprognosen angehoben werden, wird die jährliche Preissteigerungsrate als rückläufig eingeschätzt. Das zeigen die Konjunkturtableaus von ZEW und Börsen-Zeitung.

Wachstumsprognosen für 2021 niedriger als erwartet
Median-Prognose für das Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) für Deutschland wird für 2022 auf 4,0 Prozent reduziert.

Sowohl für Europa als auch für Deutschland haben sich die Wachstumsprognosen im Jahr 2021 als zu optimistisch herausgestellt, der starke Anstieg der Inflationsrate kam für viele Volkswirte überraschend. Die Entwicklungen der letzten Monate hinterlassen erkennbar ihre Spuren in den Prognosen für 2022 und 2023.

(BIP)-Wachstum in Deutschland niedriger als prognostiziert

Wachstumsprognosen für die Eurozone im Jahr 2021 als zu optimistisch herausgestellt
Die Wachstumsprognosen für das Eurogebiet liegen mit 4,3 Prozent für 2022 etwas höher als die für Deutschland.

Die Median-Prognose für das Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) für Deutschland wird für das Jahr 2022 von 4,5 Prozent im Dezember auf aktuell 4,0 Prozent reduziert. Für 2023 liegt das prognostizierte Wachstum bei 2,5 Prozent. Ganz ähnlich sahen die Angaben vor einem Jahr für die Jahre 2021 (4,0 Prozent) und 2022 (3,3 Prozent) aus. Das für das zurückliegende Jahr erwartete und nicht eingetretene hohe Wachstum wird nun für das Jahr 2022 erhofft. Die Prognosen für das Eurogebiet liegen mit 4,3 Prozent für 2022 etwas höher als die für Deutschland, für 2023 ist der vorgesagte Wert mit 2,5 Prozent genauso hoch.

Rückgang des Preisanstiegs zu erwarten

Die Inflationsprognose für 2022 in Deutschland wurde im Laufe der letzten vier Wochen von 2,4 Prozent im Dezember auf aktuell 2,7 Prozent angehoben. Dies bedeutet aber nach wie vor, dass ein deutlicher Rückgang des derzeit mit 5,3 Prozent sehr hohen Preisanstiegs im Jahresverlauf erwartet wird. Für das nächste Jahr wird eine Fortsetzung des Rückgangs der Inflationsrate in Deutschland auf 1,8 Prozent vorhergesagt. Ganz ähnlich sehen die Inflationsprognosen für das Eurogebiet aus. Für 2022 gehen die Expertinnen und Experten von einer durchschnittlichen jährlichen Preissteigerungsrate von 2,4 Prozent aus. Auch dies legt einen markanten Rückgang von den 5,0 Prozent nahe, die für Dezember 2021 festgestellt wurden. Allerdings liegt diese Inflationsprognose zum ersten Mal klar über der Zielmarke der EZB.

Voraussichtlich weiterhin niedrige kurzfristige Zinsen im Eurogebiet

Eine deutliche Änderung in den geldpolitischen Erwartungen ist allerdings derzeit noch nicht zu erkennen. Nach wie vor rechnen die Expertinnen und Experten – auch auf Sicht von 24 Monaten – mit anhaltend niedrigen kurzfristigen Zinsen im Eurogebiet. Lediglich bei den langfristigen Zinsen gehen sie von einem geringfügigen Anstieg aus. Der amerikanischen Notenbank trauen sie hingegen eher eine etwas festere Geldpolitik zu. Entsprechend erhöht sich die erwartete Zinssatz-Differenz bei den kurzfristigen Zinsen zwischen USA und Eurogebiet.

Konjunkturtableaus von ZEW und Börsen-Zeitung

In Kooperation mit der Börsen-Zeitung veröffentlicht das ZEW seit dem Jahr 2013 monatlich Konjunkturtableaus für Deutschland und die Eurozone mit volkswirtschaftlichen Kennzahlen und Prognosen. Zahlreiche Banken und Institute veröffentlichen in unterschiedlichen Abständen Berichte über die aktuelle und voraussichtliche wirtschaftliche Lage. Aus diesen Publikationen werden die für das Tableau relevanten Informationen herausgefiltert und der Median, das Minimum und das Maximum aus den Prognosen für das jeweils laufende und dessen Folgejahr berechnet.

Die monatlich veröffentlichten Konjunkturtableaus zeigen die aktuellen Prognosen für das Bruttoinlandsprodukt (BIP), die Verwendungskomponenten des BIP, Verbraucherpreise, Industrieproduktion, Arbeitslosenquote und lang- und kurzfristige Zinsen sowie Zinsdifferenzen. Der Fokus liegt auf nationalen Informationsquellen, allerdings ergänzen die Prognosen einiger internationaler Banken und Institute die Datenbasis des Tableaus. Das Tableau für den Euroraum wird zudem noch mit Daten von europäischen Banken und Instituten erweitert.