Studie zu Credit Scoring bei Konsumentenkrediten

Forschung

Die Einschätzung der Bonität durch professionelles Credit Scoring bei der Vergabe von Konsumentenkrediten hat positive Effekte auf die Wirtschaft. Das ergibt sich aus einer Auswertung verschiedener internationaler Studien durch das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Die rechtlichen Rahmenbedingungen des Scorings in Deutschland bringen die Interessen von Wirtschaft und Verbrauchern in ein ausgewogenes Verhältnis, urteilen außerdem die Rechtsexperten der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Beide Untersuchungen sind eingeflossen in die heute präsentierte Studie: "Scoring im Fokus: Ökonomische Bedeutung und rechtliche Rahmenbedingungen im internationalen Vergleich".

Das Fazit der Wissenschaftler: Credit Scores sind ein wichtiger Be­standteil von Kreditvergabeentscheidungen. Ohne Credit Scores und die darin enthaltenen In­formationen würden die Kreditmärkte deutlich schlechter funktionieren. Beide Studien wurden im Auftrag des Verbands „Die Wirtschaftsauskunfteien“ (vormals: „Verband der Handelsaus­kunfteien“) erstellt. Die Studien werden vom Bankenfachverband e.V., vom Verband der An­bieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten e. V. (VATM) und vom Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V. (bevh) unterstützt, deren Ser­vices für den Verbraucher maßgeblich auf professionellem Credit Scoring basieren.

Der Begriff Credit Scoring bezeichnet mathematisch-statistische Verfahren zur Erstellung einer Prognose der Wahrscheinlichkeit, mit der Kredite vertragsgemäß zurückgezahlt bzw. Verbind­lichkeiten aus Warenkreditgeschäften (z. B. Rechnungs- und Ratenzahlungskauf) ausgeglichen werden. Kreditgeschäfte und damit zuverlässiges Credit Scoring haben eine im­mer größere volkswirtschaftliche Bedeutung. Die Wissenschaftler fanden heraus: Credit Scoring ermöglicht auch die Kreditvergabe an Personengruppen, die ohne Scoring pauschal als zu risi­koreich eingestuft würden. Ohne Scoring gäbe es also weniger Kredite. Es erleichtert durch seine Risikobegrenzung insbesondere kleineren Unternehmen den Marktzugang und sorgt so für mehr Wettbewerb. Allein die Möglichkeit, im Rahmen eines Credit Scorings bewertet zu wer­den, verbessert das Zahlungsverhalten von Kreditnehmern.

Informationen über potenzielle Kreditnehmer und ihre Verdichtung zu Credit Scores können die Prognose der Krediterfüllung erheblich verbessern. Je detaillierter und umfangreicher diese Informationen sind, desto besser die Prognose. Umgekehrt führt eine Einschränkung der Infor­mationsbasis zu einer signifikant schlechteren Einschätzung der Krediterfüllungswahrschein­lichkeit. Prof. Dr. Michael Schröder, Projektleiter der Studie des ZEW: „Scorings sind sehr wich­tig für die Kreditvergabe von Banken. Die Verwendung von Credit Scores verringert den Anteil von schlechten Kreditrisiken im Gesamtportfolio.“

In den untersuchten Ländern (Deutschland, USA, Großbritannien, Frankreich, Australien) lag der Anteil gesunder, also vertragsgemäß bedienter Bankkredite 2011 bei über 95 Prozent. Deutschland lag mit 97 Prozent auf Platz 2 hinter Australien mit 98,1 Prozent. Anders als bei­spielsweise die angelsächsischen Länder mit ihrer über die Jahre sehr schwankenden Höhe der Pro-Kopf-Verschuldung zeichnet sich Deutschland durch eine moderate und volumenmäßig sehr stabile Verschuldung aus. Die Forscher führen die hohe Rückzahlungsquote und die Sta­bilität der Pro-Kopf-Verschuldung in Deutschland auch auf Einsatz und Professionalität des Scorings zurück.

Für Rückfragen zum Inhalt

Prof. Dr. Michael Schröder, Telefon 0621/1235-140, E-Mail schroeder@zew.de

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