Wie können Steuersysteme die richtigen Anreize für eine zukunftsfähige Wirtschaft aber auch Gesellschaft setzen und gleichzeitig einen ausreichenden Beitrag zur Deckung von Staatsausgaben liefern? Diese inhaltlichen Fragen standen bei der diesjährigen Jahreskonferenz des Leibniz-WissenschaftsCampus MannheimTaxation ganz unter dem Einfluss der Corona-Pandemie: Zum ersten Mal wurde die Konferenz virtuell mit über 260 Teilnehmenden aus der ganzen Welt veranstaltet.

Die Konferenz bot mit 30 Vorträgen in elf Sessions nicht nur ausreichend Stoff für inhaltliche Diskussionen –aufgrund des virtuellen Charakters der Veranstaltung wurden diese auch von wesentlich mehr Gästen als in den Vorjahren gemeinsam diskutiert. Darunter die Keynote zu regionalen Förderprogrammen von Danny Yagan, Assistant Professor an der University of California, Berkeley in den USA, und die hochkarätig besetzte Policy Session mit Blick auf Steuerpolitik zur Bewältigung der Corona-Rezession.

Förderprogramme für wirtschaftlich schwache Regionen: Eine Umverteilungsmaßnahme?

In seiner Keynote beleuchtete Yagan, inwiefern regionale wirtschaftliche Förderprogramme als zusätzliches Instrument zur effizienten Umverteilung von Einkommen innerhalb der Gesellschaft genutzt werden können. Die Erkenntnisse seiner Studie stehen im Kontrast zur häufig verbreiteten These, dass benachteiligte Personen unterstützt werden sollten und nicht benachteiligte Orte. Dennoch gibt es in der Realität eine Vielzahl solcher Förderprogramm, die Orte und nicht Menschen unterstützen. Die EU gibt ein Drittel ihres Budgets für solche regionalen Maßnahmen aus. Yagan erläuterte in seinem Vortrag, dass die beiden wichtigsten Voraussetzungen für das Funktionieren der beschriebenen Mechanismen entweder eine geringe regionale Mobilität der Wirtschaftsteilnehmer oder aber eine geringe Veränderung im Verdienst der Wirtschaftsteilnehmer bei deren Umzug sind. Obwohl klassische ökonomische Modelle bei regionaler Förderung auch eine sofortige Zuwanderung von Fachkräften vorhersagen würden, sei dies empirisch gesehen eher nicht der Fall. Somit schlussfolgerte er, dass die regionalen Fördergelder in der Tat der lokalen Bevölkerung einer Region zugutekommen können und damit einen Beitrag leisten, die Ungleichheit in der Gesellschaft zu reduzieren.

Steuern und die Corona-Krise: Maßgeschneiderte und adaptive Maßnahmen

Höhepunkt der diesjährigen Konferenz war die Policy Session zum Thema Steuerpolitik zur Bewältigung der Corona-Rezession, in der MannheimTaxation-Sprecher Prof. Christoph Spengel ein hochkarätig besetztes Panel moderierte. Die Diskussion startete mit Redebeiträgen von Prof. Michael Devereux, Direktor des Zentrums für Unternehmensbesteuerung der Universität Oxford, vom Julius-Kreeger-Professor für Recht an der Universität Chicago, Dhammika Dharmapala, von Ruud de Mooij, dem Leiter der Steuerpolitik-Einheit der Finanzabteilung des Internationalen Währungsfonds, und Prof. Nadine Riedel, Direktorin des Instituts für Wirtschaftspolitik und Regionalökonomik der Universität Münster). Die Panelisten und der Moderator bekräftigten, wie wichtig es ist, die jeweiligen steuerpolitischen Maßnahmen an die momentanen Gegebenheiten der Pandemie anzupassen. Hierzu teilte Christoph Spengel die pandemische Entwicklung in drei Phasen: In-Phase, Mid-Phase, und Out-Phase. Die diskutierten steuerpolitischen Instrumente in diesen verschiedenen Phasen reichen von Steuerstundungen und Verlustrückträge zur Sicherstellung der Liquidität in der ersten Phase, über Förderung von Investitionen durch schnellere Abschreibungsmöglichkeiten in der zweiten Phase, bis hin zur Ausweitung von möglichen Verlustvorträgen in der letzten pandemischen Phase. Nach der Vorstellung dieser Steuermaßnahmen folgte eine lebhafte Diskussion zu deren Vor- und Nachteilen. Kontrovers wurden unter anderem die Erwünschtheit und die optimale Dauer von Maßnahmen zur Verhinderung von Firmeninsolvenzen diskutiert.

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