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Die Entwicklung und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) sind gegenwärtig hochaktuelle Themen, die Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft gleichermaßen betreffen. Die Debatte rund um die Chancen und Risiken dieser neuen Technologie hat das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim, in der Veranstaltungsreihe „Wirtschaftspolitik aus erster Hand“ am Donnerstag, 12. Juli 2018, aufgegriffen: Claudia Nemat, Vorstandsmitglied der Deutschen Telekom AG im Bereich Technologie und Innovation, lieferte mit ihrem Vortrag „Künstliche Intelligenz - Ein Wakeup-Call für Europa“ den 120 anwesenden Gästen spannende und praxisnahe Einblicke aus der Perspektive des größten Telekommunikationsunternehmens in Europa.

Telekom Vorständin Claudia Nemat wird als Gastrednerin am ZEW begrüßt.
Claudia Nemat, Vorstandsmitglied der Deutschen Telekom AG, zusammen mit der ZEW-Geschäftsführung Thomas Kohl (links) und ...
ZEW-Präsident Achim Wambach begrüßt Claudia Nemat als Gastrednerin am ZEW.
ZEW-Präsident Prof. Achim Wambach, PhD begrüßt Gäste und Rednerin am ZEW und stimmt auf den Vortrag ein. © ZEW
Telekom Vorständin Claudia Nemat wird als Gastrednerin am ZEW begrüßt.
Telekom-Vorständin Claudia Nemat neben dem kaufmännischen Direktor des ZEW, Thomas Kohl, während der Begrüßung durch ...
Telekom Vorständin Claudia Nemat in ihrem Vortrag zum Thema Künstliche Intelligenz
Die Leiterin des Vorstandsressort Technologie und Innovation der Deutschen Telekom AG, Claudia Nemat, bei ihrem Vortrag ...
Telekom Vorständin Claudia Nemat in ihrem Vortrag zum Thema Künstliche Intelligenz
Claudia Nemat sprach am ZEW vor vollem Haus. © ZEW
Claudia Nemat im Gespräch mit Achim Wambach während ihres Vortrags am ZEW
Bei der Podiumsdiskussion zum Thema KI: Claudia Nemat und ZEW-Präsident Prof. Achim Wambach, PhD. © ZEW
Zahlreiche Gäste sind am ZEW erschienen, um dem Vortrag von Claudia Nemat beizuwohnen.
Rund 130 Gäste aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft ließen sich Claudia Nemats Vortrag nicht entgehen. © ZEW
Die Gäste des ZEW beteiligen sich rege an der Fragerunde im Anschluss an den Vortrag.
Der ehemalige ZEW-Präsident Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Wolfgang Franz klinkte sich in die Debatte ein. © ZEW
ZEW-Forscherin Irene Bertschek beteiligt sich an der Fragerunde im Anschluss an den Vortrag.
Prof. Dr. Irene Bertschek, Leiterin des ZEW-Forschungsbereichs „Digitale Ökonomie“, bei der Fragerunde aus dem Publikum. ...
Die Gäste des ZEW beteiligen sich rege an der Fragerunde im Anschluss an den Vortrag.
Axel Neidlein von der Maiwald Patentanwalts GmbH richtet eine Frage an das Podium. © ZEW
Dr. Georg Müller beteiligt sich an der Fragerunde im Anschluss an den Vortrag.
Dr. Georg Müller, Vorstandsvorsitzender der MVV Energie AG sowie Vorsitzender des ZEW-Förderkreises Wissenschaft und ...
Achim Wambach im Gespräch nach dem Vortrag von Claudia Nemat am ZEW
ZEW-Präsident Prof. Achim Wambach, PhD zusammen mit Dr. Georg Müller beim anschließenden Get-together im Innenhof des ...

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Claudia Nemat gab Einblicke in die KI aus der Persektive der Telekom
Telekom-Vorständin Claudia Nemat bei ihrem Vortrag zum Thema Künstliche Intelligenz am ZEW.

KI wird unsere Art und Weise zu arbeiten und zu denken tiefgreifend verändern – das war das Credo, mit dem Claudia Nemat in den Abend einstieg. Trotzdem sei KI noch lange nicht der „heilige Gral“, mit dem sich alle Probleme lösen ließen. Grund dafür ist laut der studierten Physikerin, dass in der Praxis bislang nur sogenannte „schwache KI“ eingesetzt werde, bei der Algorithmen auf Basis zuvor zugelieferter Daten entwickelt werden. So seien KI-Anwendungen zwar schon heute dazu in der Lage, Entscheidungen schneller zu treffen als das menschliche Gehirn oder Produktionstechniken präziser auszuführen als die menschliche Hand. Allerdings: Es gelingt den Anwendungen bis dato noch nicht, Intelligenz von einem spezifischen Gebiet in ein anderes zu übertragen. Auch treffe die bislang eingesetzte KI noch keine eigene Entscheidung unter Unsicherheit, sondern spiegele hauptsächlich ihren Schöpfer wieder.

„Die Arbeit der Algorithmen, zum Beispiel bei der Mustererkennung, kann nur so gut sein, wie die Daten, mit denen sie zuvor gefüttert wurden“, machte Nemat deutlich. Dabei werde die Beschaffung von personenbezogenen Daten durchaus kontrovers diskutiert. Der Managerin zufolge müsse ein Weg gefunden werden, um anonymisiert gesammelte Daten für Unternehmen nutzbar und zugleich für Kunden/-innen transparent zu machen, was mit ihren Daten passiert. „KI ist sich ihrer selbst bislang nicht bewusst, aber dennoch sehr wirkmächtig - im Guten wie im Schlechten. Es liegt jetzt an uns, KI gestalten zu lernen“, so Nemat. Derzeit würden sich insbesondere im medizinischen Bereich zahlreiche Anwendungspotenziale für die Technologie bieten. So werde KI bereits dafür genutzt, Krebszellen vorzeitig zu erkennen sowie seltene Krankheiten festzustellen.

Europa liegt bei Investitionen in KI-Forschung weit zurück

Europa liegt bei Investitionen in KI-Forschung weit zurück

Im internationalen Vergleich scheint Deutschland jedoch bei der Weiterentwicklung von KI ins Hintertreffen zu geraten. Mit einem KI-Forschungsbudget von rund fünf Milliarden Euro insgesamt liegt Europa weit hinter Asien und den USA, wo eine knapp doppelte beziehungsweise vierfache Summe in Forschungsmaßnahmen rund um KI investiert wird. Nemat unterstrich in diesem Zusammenhang, dass Europa und auch Deutschland nicht nur ein gigantischer Wettbewerbsnachteil drohe sondern auch die Abhängigkeit von anderen Ländern. Eine derart unterlegene Position berge schließlich die Gefahr einer zu strikten Regulierung und würde damit Innovationen den Weg versperren. „Wir haben in Deutschland eine fantastische Ingenieurskultur, die sich aber neu erfinden muss, was KI betrifft“, so Nemat.

Im Bereich der Entwicklung und des Einsatzes von KI-Technologien müssten weitere Ziele ins Visier genommen werden. Vernetzung laute hier das Gebot der Stunde, unter dem Europas Industrien nach Ansicht von Nemat in Zukunft enger zusammenarbeiten sollten. Auf diese Weise ließen sich die Standortattraktivität steigern und internationales Knowhow anwerben. „KI ist keine einzelne Maschine, sondern besteht vielmehr aus unzähligen, unterschiedlich großen Projekten. Für die Umsetzung ist also eine kritische Masse an Menschen notwendig – und dazu brauchen wir einen Talentpool mit einer starken Wissensvernetzung“, erklärte die Telekom-Vorständin. Zuletzt verlieh Nemat ihrer Forderung nach einem europäischen Weltmarktführer im Bereich der Erstellung industrialisierter Algorithmen Ausdruck.

"Economies of skill" - Talente ziehen Talente an

"Economies of skill" - Talente ziehen Talente an

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion zog ZEW-Präsident Prof. Achim Wambach, PhD in Zweifel, dass ein Weltmarktführer aus Europa auch für die erwünschten Skaleneffekte sorgen würde. Claudia Nemat entgegnete, dass sich Größenvorteile einerseits aus Daten ergeben würden. Andererseits gebe es ebenso „economies of skill“, ausgehend von Anziehungspunkten für Talente, die wiederum weitere Talente anziehen würden und sich dadurch potenzierten. Achim Wambach wies weiter darauf hin, Europa kein Problem mit Grundlagenforschung habe, viel schwieriger sei allerdings die Anwendung. Daher müsse die anwendungsorientierte Forschung intensiviert werden, um Potenziale von KI-Anwendungen frühzeitig zu erkennen und nutzbar zu machen.

Der Forderung Wambachs, dass hierfür mehr Investitionen in Forschung und Entwicklung von den Unternehmen selbst getätigt werden müssten, stimmte Nemat zu. Allerdings appellierte sie auch an die Verantwortung der öffentlichen Hand: „Für eine erfolgreiche Technologieführerschaft ist eine Anschubfinanzierung nötig. Dafür sollte die Politik Mittel bereitstellen“. Der ZEW-Präsident gab in diesem Zusammenhang ebenfalls zu bedenken, dass die Finanzierung von KI-Technologien insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) aus Kostengründen noch nicht umsetzbar sei.

"Die Menge an Arbeit wird nicht weniger"

"Die Menge an Arbeit wird nicht weniger"

Dass die Fortschritte rund um KI in vielen Branchen mit Interesse verfolgt werden, zeigten auch die Fragen aus dem Plenum. Dabei ging es unter anderem um zukünftige Kooperationsmodelle, bei denen laut Nemat von sogenannten Open-Source-Plattformen durchaus profitiert werden könnte, beispielsweise beim Austausch von trainierten Algorithmen. Auch die sich mit der digitalen Transformnation verändernde Joblandschaft kam zur Sprache. „Die Menge an Arbeit wird sicherlich nicht weniger“, versicherte Nemat. Die größte Herausforderung liege jedoch in der sogenannten „skill transformation“, die darauf abzielt, Beschäftigte weiterzubilden und damit auf die Herausforderungen der Zukunft vorzubereiten.

Wo besteht indes der größte Forschungsbedarf mit Blick auf KI in Zukunft? Lässt sich KI rechtlich schützen? Wie würde das Geschäftsmodell eines europäischen Weltmarktführers aussehen? Und wie würde ein modernes Einwanderungsgesetz nach den Vorstellungen von Claudia Nemat aussehen, das den aktuellen Entwicklungen Rechnung trägt? Diese und weitere Fragen aus dem Publikum sowie der Verlauf des Abends insgesamt verdeutlichten, dass sich dem Thema KI vor allem auch über eine Chancendebatte genähert werden sollte – eben um Potenziale rechtzeitig erkennen und erfolgreich nutzbar machen zu können, wenn Deutschland und Europa auf diesem Gebiet international mitspielen wollen.