Deutsche Bank und Commerzbank führen Gespräche über eine mögliche Fusion. Dahinter steht vor allem der Wunsch, einen nationalen Spieler im Bankensektor zu schaffen, der es mit den internationalen Größen der Branche aufnehmen kann. Beide Geldhäuser gelten jedoch als angeschlagen.

Die Folgen einer möglichen Fusion von Commerzbank und Deutscher Bank sind Thema bei Jesper Riedler
Dr. Jesper Riedler, Wissenschaftler im ZEW-Forschungsbereich „Internationale Finanzmärkte und Finanzmanagement“, befürchtet hohe Kosten bei einer Fusion der beiden Banken.

Wie also würde sich der Zusammenschluss auf die Finanzmarktstabilität in Deutschland und Europa auswirken? ZEW-Finanzökonom Dr. Jesper Riedler meint, dass hier nicht so sehr die Größe, sondern vielmehr die Verflechtungen in das globale Finanzsystem entscheidend sind.

Gibt es Gründe, die für die Bildung einer „Deutschen Commerz“ sprechen?

Wenn man dem Bundesfinanzminister glauben will, dann braucht es in Europa größere und globalere Banken, um den Bedürfnissen der Wirtschaft gerecht zu werden. Das sehe ich nicht so und auch aus der deutschen Industrie kommen keine dringlichen Rufe nach einem größeren nationalen Champion im Bankensektor. Nichtsdestoweniger gibt es gute Gründe für den Zusammenschluss der zwei größten Privatbanken Deutschlands. Insbesondere könnten Kosten in substanziellem Umfang reduziert werden, indem redundante Filialen geschlossen und Backoffice-Funktionen wie etwa die Handelsabwicklung und Compliance-Abläufe zusammengelegt werden. Da die Geschäftsmodelle beider Häuser durchaus unterschiedliche Schwerpunkte setzen, wäre eine „Deutsche Commerz“ außerdem breiter aufgestellt als die jeweilige Bank alleine. Das macht die fusionierte Bank vermutlich widerstandsfähiger als die Einzelinstitute.

Vermutlich?

Im Prinzip gibt es auf dem deutschen Bankenmarkt nach wie vor viel Konsolidierungspotenzial. Das Problem liegt in der Umsetzung. Im Fall eines Zusammenschlusses kämen gewaltige Kosten auf beide bereits angeschlagenen Kreditinstitute zu. Besonders gute Erfahrungen mit Übernahmen haben beide Banken wahrlich nicht gemacht. Auch zehn Jahre nach den Übernahmen der Postbank durch die Deutsche Bank und der Dresdner Bank durch die Commerzbank sind die übernommenen Häuser nicht angemessen integriert.

Vielfach heißt es, die schiere Größe einer fusionierten „Deutschen Commerz“ könnte das Systemrisiko erhöhen. Im weltweiten Vergleich würde die Fusion aber kein Geldhaus hervorbringen, das zu den Top Ten der Branche zählt.

Reduzieren wird eine Fusion der Deutschen Bank mit der Commerzbank das Systemrisiko sicherlich nicht. Doch die Größe der fusionierten Bank, die am Ende wohl deutlich kleiner wäre als die Summe ihrer Teile, ist hier gar nicht entscheidend. Eine Bank stellt ein Systemrisiko dar, wenn sie im Falle der Insolvenz gerettet werden muss, um das Funktionieren des Finanzsystems auf nationaler oder globaler Ebene aufrechtzuerhalten. Hier spielt die Deutsche Bank nicht unbedingt durch ihre Größe, aber durch ihre Verflechtungen in das globale Finanzsystem in einer anderen Liga als die Commerzbank. Tatsächlich ist es schwer sich ein Institut vorzustellen, dessen systemische Relevanz wesentlich höher ist als die der jetzigen Deutschen Bank. In der Liste der global systemrelevanten Banken des Financial Stability Boards wird lediglich JPMorgan Chase als systemrelevanter eingestuft. Die Deutsche Bank gilt für das globale Finanzsystem gleich in mehreren Bereichen als unverzichtbar. Dazu gehören unter anderem der globale Euro-Zahlungsverkehr, die Außenhandelsfinanzierung, Devisengeschäfte und das Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren.

Wie krisenfest sind Markt und Wirtschaft nach mehr als zehn Jahren seit der Lehman-Pleite?

Trotz der schlechten Ertragslage der beiden verbleibenden großen Privatbanken in Deutschland und vieler anderer Institute in Europa hat der Bankenmarkt im Verlauf der vergangenen zehn Jahre an Widerstandskraft gewonnen. Die Kernkapitalquote der großen Eurozonen-Banken lag Ende 2018 bei gut 14 Prozent, und ausreichend Liquidität ist auch vorhanden. Problematisch ist immer noch die starke Verflechtung zwischen Banken und ihren Heimatstaaten. Im Extremfall – dem sogenannten „Doom Loop“ – ziehen sich Banken und Staat gegenseitig immer tiefer in den Abgrund. Eine stärkere Integration des europäischen Bankenmarktes ist notwendig, um Schocks zu glätten und den „Doom Loop“ zu durchbrechen. Dies kann etwa durch grenzübergreifende Bankenfusionen geschehen, oder durch eine wesentliche Ausweitung des innereuropäischen Handels von verbrieften Bankkredite.

Wenn wir eine stärkere Integration wollen, welche Probleme stehen dem im deutschen und europäischen Bankensektor gegenüber?

Gemessen an ihrer Profitabilität, schneiden europäische Banken im internationalen Vergleich unterdurchschnittlich ab. Auch wenn die Gründe hierfür von Land zu Land und von Bank zu Bank unterschiedlich ausfallen, lassen sich drei grobe Problemfelder identifizieren. Erstens haben Banken noch mit Altlasten zu kämpfen. Vor allem die Tilgung notleidender Kredite aus den Bilanzen italienischer Banken erweist sich als langwierig. Zweitens übt das gegenwärtige Niedrigzinsumfeld in der Eurozone Druck auf die Erträge der Banken aus. Gleichzeitig schaffen es viele Banken nicht ihre Betriebskosten zu reduzieren. Im Durchschnitt sind diese sogar gestiegen, auch weil seit der Krise strenger reguliert wird. Drittens gelingt es nicht allen Banken mit dem technologischen Fortschritt Schritt zu halten. Das Wettbewerbsumfeld ändert sich zunehmend durch „FinTech“-Unternehmen, die bankähnliche Leistungen anbieten, aber nicht wie Banken reguliert werden. Wer in Zukunft noch wettbewerbsfähig sein möchte, darf den technologischen Wandel nicht verschlafen. Besonders aufwändig wird es sein die zum Teil veralteten IT-Systeme der Banken auf Vordermann zu bringen. 

Datum

17.04.2019

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