Das Jahr 2016 hat mit einem Paukenschlag begonnen, der aus China kam und Investoren weltweit aufschreckte: Die chinesische Börse ist innerhalb weniger Tage um fünfzehn Prozent abgestürzt, und die schlechten Nachrichten über die Konjunkturentwicklung häufen sich. In den Jahren vor 2008 expandierte die chinesische Wirtschaft mit Raten zwischen acht Prozent und 14 Prozent. Während der Krise hat China sich erstaunlich robust gezeigt. Aber seit 2011 bröckeln die Zuwachsraten. 2014 lag das Wachstum bei sieben Prozent, in diesem Jahr könnte es auf fünf bis sechs Prozent sinken. Das ist immer noch viel, aber es stellt sich die Frage, ob diese Wachstumsraten wirklich erreichbar sind.

Vor allem für die deutsche Wirtschaft ist China zu einem wichtigen Absatzmarkt geworden. 2014 betrugen die deutschen Exporte nach China 75 Milliarden Euro. Damit war das Land der viertgrößte Exportmarkt für Deutschland. Hinzu kommt, dass Kunden deutscher Unternehmen in ganz Ostasien unter einem Ende des chinesischen Booms leiden würden.

Wie sind die Perspektiven für die nächsten Jahre? Die größte Herausforderung liegt darin, das Problem der Über- und Fehlinvestitionen in China zu lösen, ohne einen Konjunktureinbruch auszulösen. Die Regierung in Peking hat auf die 2008 ausgebrochene globale Wirtschaftskrise mit einem massiven Investitionsprogramm reagiert. Die Investitionsquote war vor 2008 mit 42 Prozent des Bruttoinlandsprodukts bereits sehr hoch. In der Krise stieg diese Quote dann auf mehr als 48 Prozent, derzeit liegt sie bei 43 Prozent. In anderen Schwellenländern wie Indien oder Indonesien liegen die Investitionsquoten bei rund 33 Prozent, in den westlichen Industrieländern eher bei 20 Prozent. Hohe Investitionen sind willkommen, wenn sie produktiv sind. In China gibt es aber viele Indizien dafür, dass teilweise massive Fehlinvestitionen getätigt werden.

Ein großer Teil der Gelder fließt in wenig produktive Bauprojekte. Außerdem zeigen aktuelle Studien, dass die staatlichen Unternehmen in China häufig nach politischen und nicht nach betriebswirtschaftlichen Kriterien entscheiden, wie sie investieren. Diese Investitionen drastisch zu kürzen, könnte einen Abschwung verursachen. Aber es ist dringend notwendig, dem privaten Konsum und den Investitionen kleiner und mittlerer privater Unternehmen mehr Raum zu geben.

China muss mittelfristig außerdem von einer Entwicklung, die auf Technologien und Know-How aus den USA und Europa beruhte, zu einem von eigener Innovationskraft genährten Wachstum kommen. Im Reich der Mitte fließt viel Geld in Forschung und Entwicklung und den Ausbau von Universitäten. Innovationsindikatoren wie die Zahl der Patentanmeldungen weisen steil nach oben. Aktuelle Untersuchungen des ZEW zeigen allerdings, dass die Qualität der Patente sinkt: viel Quantität, aber zu wenig Qualität.

Die chinesische Wirtschaftspolitik braucht einen Kurswechsel. Sie sollte sich darauf konzentrieren, die Rahmenbedingungen für Innovationen und Unternehmertum zu verbessern und kurzfristige Wachstumsziele aufgeben, die nur mit neuen staatlichen Konjunkturprogrammen erreichbar sind. Wenn das gelingt, wird das Land auch künftig die Rolle eines Motors für die globale Wirtschaft spielen können.

Datum

18.02.2016

Kategorie

Kontakt

Referentin Online-Kommunikation

Tel.: +49 (0)621 1235-322

yvonne.braeutigam@zew.de