Aktuelle Herausforderungen für Emissionshandelssysteme – ENTRACTE Policy Session auf dem WCERE 2014 in Istanbul

Konferenzen

Am 30. Juni 2014 wurde vom ENTRACTE-Projekt auf dem fünften World Congress of Environmental and Resource Economists (WCERE) in Istanbul eine erfolgreiche Policy Session ausgerichtet. An der Session nahmen führende Wissenschaftler aus Australien, den USA, der Europäischen Union und China teil. Gemeinsam wurde über die bisher im Rahmen des ENTRACTE-Projektes gewonnenen Erkenntnisse gesprochen und über zukünftige Herausforderungen bei der Gestaltung in den jeweiligen Gerichtsbarkeiten, aber auch über die Verankerung von Emissionshandelssystemen in der Politik diskutiert.

Vier Aspekte von besonderer Relevanz für den Emissionshandel

Prof. Dr. Andreas Löschel, Co-Leiter des ENTRACTE-Projekts und Research Associate am ZEW, bot den anwesenden Wissenschaftlern und Podiumsgästen zunächst einen Überblick über das Ziel von ENTRACTE, erste Forschungsergebnisse und zukünftige zu bewerkstelligende Aufgaben. Dr. Dallas Burtraw, Associate Director des Center for Climate and Electricity Policy von Resources for the Future, hob in seinem anschließenden Vortrag vier Hauptaspekte hervor, die für die Marktgestaltung des Emissionshandels (ETS) relevant sind: Allokation, Preise, Verlinkung und Regelung. Er wies darauf hin, dass die Allokation von Zertifikaten durch Versteigerungen auf zunehmend größere Akzeptanz stoße. Während die Allokation nur selten Gegenstand politischer Diskussion sei, diskutiere man die restlichen drei Themen hingegen weiterhin heftig. Wichtig sei die Erkenntnis, dass es sich bei Emissionsmärkten um künstliche, vom Staat eingerichtete Märkte handelt. Aus diesem Grund seien staatliche Eingriffe in diese Märkte weniger problematisch als auf anderen Märkten. Die Einführung von Mindestpreisen könne beispielsweise ein wichtiges Instrument für das Funktionieren dieser Märkte darstellen.

Verschiedene Arten der Gestaltung von Emissionshandelssystemen in China, Europa und Australien

Im Anschluss gab Prof. Dr. Jing Cao, Associate Professor an der Fakultät für Wirtschaft, School of Economics and Management der Tsinghua-Universität, einen detaillierten Überblick über die regionalen Pilot-Emissionshandelssysteme in China und die Ausgestaltungsunterschiede. Sie vermittelte anschaulich, auf welche Weise diese Gestaltungselemente, z.B. die Arten von in den Markt einbezogenen Teilnehmern, zu Unterschieden bezüglich des Handelsvolumens und der Preisvolatilität führten. Prof. Dr. Xavier Labandeira, Ökonomie-Professor an der Universität Vigo und Direktor der Forschungseinheit "Climate Policy" am European University Institute sowie Mitglied des Beirats von ENTRACTE, sprach daraufhin über den derzeitigen Diskussionsstand in Europa und die weitere Entwicklung des EU ETS nach 2020. Er machte deutlich, dass ein Zusammenspiel mit anderen Politikinstrumenten und -zielen, auch auf Ebene der Mitgliedstaaten, von wesentlicher Bedeutung sei, um die Funktionsweise des EU ETS zu verstehen. Prof. Dr. Frank Jotzo, ebenfalls Mitglied des Beirats von ENTRACTE und Associate Professor an der Australian National University in Canberra, erörterte den aktuellen Stand der Klimapolitik in Australien. Dabei hob er die bedeutende Rolle der Politik bei der Wahl zur Gestaltung des Emissionshandelssystems hervor, betonte aber gleichzeitig den umgekehrten Effekt dieser Wahl auf die Politik.

Erfahrungsaustausch als Schlüssel zu einer erfolgreichen Klimapolitik

Die verschiedenen Erfahrungen wurden in einer abschließenden Diskussionsrunde zusammengefasst, bei der das Publikum sich im Anschluss mit Fragen und Anmerkungen einbringen konnte. Diese Policy Session machte die unterschiedlichen Erkenntnisse in den verschiedenen Gerichtsbarkeiten deutlich. Ein intensiver Erfahrungsaustausch, so wie es durch Projekte wie ENTRACTE möglich gemacht wird, stellt den Schlüssel zu einer erfolgreichen Klimapolitik dar. Aus diesem Grund sind im Rahmen des ENTRACTE-Forschungsprojekts weitere Tagungen geplant. Das nächste Zusammentreffen ist für Anfang 2015 in Italien anberaumt. Hier werden Überschneidungen von politischen Maßnahmen und deren Folgen für die Wirksamkeit der europäischen Klima- und Energiepolitik thematisiert.

Über ENTRACTE

Im Rahmen des Forschungsprojekts ENTRACTE werden im Auftrag der EU-Kommission Empfehlungen erarbeitet, um die europäische Klimapolitik effektiver und effizienter zu machen. Die Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Politikinstrumenten im Bereich Klima und Energie stehen dabei im Zentrum der Analyse. Das ZEW kooperiert im Rahmen des Projekts mit Institutionen wie dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, der London School of Economics und weiteren Partnern aus Deutschland, Italien, Großbritannien, Irland, Norwegen und den Niederlanden.