Die öffentliche Förderung von Forschung und Entwicklung (FuE) der Unternehmen hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Zunehmend wird darauf geachtet, die Marktverhältnisse, den Wettbewerb sowie die gegebene, unternehmensinterne Struktur der Forschungs- und Entwicklungstätigkeit möglichst wenig zu verzerren. Viele Staaten haben daher, zusätzlich zu direkten Beihilfen (z.B. projektbasierte Zuschüsse), steuerliche Anreize für Forschung und Entwicklung eingeführt. In vielen Staaten ist ein deutlich erhöhter Anteil der steuerlichen Förderung an der gesamten öffentlichen Förderung für FuE der Unternehmen zu erkennen. Die meisten OECD-Staaten haben innerhalb der letzten Jahrzehnte spezifische steuerliche Anreize für (FuE) entwickelt. Die Anreize sind sehr unterschiedlich gestaltet. Einige Staaten erlauben die erhöhte Abzüge von der steuerlichen Bemessungsgrundlage, Investitionsfreibeträge oder beschleunigte Abschreibungen. Steuergutschriften auf Basis der FuE-Aufwendungen reduzieren direkt die Ertragsteuerbelastung. Zudem werden reduzierte Steuersätze, Steuerfreistellungen oder Verminderungen der abzuführenden Lohnsteuer und Sozialabgaben (für FuEPersonal) beobachtet. Der sogenannte B-Index von Warda (2001) wird vielfach für einen internationalen Vergleich der sehr verschiedenen Formen der Anreize genutzt. Allerdings schränken manche der stark vereinfachenden Annahmen die Aussagekraft der Ergebnisse ein. In dieser Arbeit werden daher steuerliche Anreize für FuE mit einer wesentlich verfeinerten Methode in einer mehr- statt nur einperiodigen Betrachtung und unter realistischen ökonomischen Rahmenbedingungen untersucht. Es wird der Einfluss der Anreize für FuE auf die Steuerbelastung von Unternehmen (Effektive Durchschnittssteuerbelastung) sowie das Subventionsvolumen der steuerlichen Anreize durch Simulation mit dem am ZEW in Zusammenarbeit mit der Universität Mannheim entwickelten European Tax Analyzer analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass die steuerlichen Anreize einen starken Einfluss auf die effektive Steuerbelastung der Unternehmen haben, besonders Portugal, Spanien und Tschechien bieten großzügige Anreize. Mittels Sensitivitätsanalysen werden auch die Effekte einzelner Designelemente und den Einfluss des allgemeinen Steuersystems des jeweiligen Landes betrachtet. Beispielsweise können die eigentlich großzügigen Anreize Spaniens und Ungarns wegen Begrenzungen bzw. einer hohen Belastung durch weitere Steuern (Business tax) nicht in voller Höhe genutzt werden und entfalten daher nicht die zunächst zu erwartende Wirkung. In der Analyse schneiden jene Staaten besser ab, in denen die steuerlichen Anreize sinnvoll mit dem allgemeinen Steuersystem abgestimmt sind. Beispielsweise wirkt sich die Auszahlung steuerlicher Anreize (cash refund) im Vereinigten Königreich und in Österreich vorteilhaft aus. Als wesentliche treibende Faktoren erscheinen daher nicht nur die Höhe der Anreize, sondern auch spezifische Parameter (interperiodische Verrechnung, Methode), Einbettung in das allgemeine Steuersystem und die Ertragslage sowie der Umfang der FuE-Tätigkeit des Unternehmens als sehr wichtige Einflussfaktoren.

Elschner, Christina und Christof Ernst (2008), The Impact of R&D Tax Incentives on R&D Costs and Income Tax Burden, ZEW Discussion Paper No. 08-124, Mannheim. Download

Autoren

Elschner, Christina
Ernst, Christof

Schlagworte

R&D, Tax incentives, Corporate Tax Burden, EU