In Deutschland fällt ein Großteil des fossilen Energieverbrauchs und der Treibhausgasemissionen auf den Gebäudesektor zurück. Fast ein Drittel der insgesamt erzeugten Energie wird dabei in Wohngebäuden verbraucht, vorwiegend für Raumwärme und die Bereitstellung von Warmwasser. Das technische Einsparpotenzial, welches durch den Austausch von Heizungsanlagen und die Verbesserung der Wärmedämmung des Gebäudebestands gehoben werden könnte, ist beträchtlich. Die Bundesregierung versucht dieses Potential zu nutzen, um die eigenen Klimaschutzziele zu erreichen und die zukünftige Energieversorgung zu sichern. Neben Regulierungen wie der Energieeinsparverordnung (EnEV), die zum Beispiel für Gebäude, die saniert oder umgebaut werden, bestimmte Energieeffizienzanforderungen vorgeben, gibt es auch öffentliche Förderprogramme, die Zuschüsse und günstige Kredite für energetische Sanierungsmaßnahmen bereitstellen. Bisher konnte die Sanierungsrate in Deutschland durch diese Maßnahmen allerdings nur bedingt erhöht werden. Dies deutet darauf hin, dass die ökonomischen, technischen und verhaltensbezogenen Einflussfaktoren bei Sanierungsentscheidungen immer noch nicht gänzlich verstanden werden und in der derzeitigen Politkausgestaltung nur ungenügend Berücksichtigung finden.

Basierend auf Daten einer deutschlandweiten Umfrage aus dem Jahr 2009 unter mehr als 400 Hauseigentümern untersuchen wir in diesem Papier, welche Faktoren die Entscheidung für oder gegen eine energetische Gebäudesanierung beeinflussen können. Unsere Ergebnisse unterstreichen die enorme Bedeutung von finanziellen Faktoren in diesem Zusammenhang. Konkret zeigt sich, dass Hauseigentümer, für die sich energetische Sanierungsmaßnahmen hinsichtlich der Energiekostenersparnis und der Amortisationsdauer lohnen, und bei denen sich eine günstige Gelegenheit bietet - zum Beispiel in Form einer Heizung, die ersetzt werden muss, oder einer ohnehin renovierungsbedürftigen Gebäudehülle - auch eher bereit sind, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Insbesondere der letztgenannte Aspekt scheint von Bedeutung zu sein, wenn es darum geht, die anhaltend niedrige Sanierungsrate in Deutschland zu erklären. Unsere Ergebnisse legen nahe, dass die meisten Hauseigentümer, bevor sie energetische Sanierungsmaßnahmen überhaupt in Betracht ziehen, abwarten, bis die entsprechenden Gebäudekomponenten ohnehin erneuert werden müssen. Mittels Simulationen zeigen wir außerdem, welch starker Anreiz für energetische Sanierungen von fachmännischer Energieberatung ausgehen kann. Angesichts möglicher Probleme, die mit anderen Politikoptionen einhergehen, scheint es daher sinnvoll zu sein, Energieberatung von öffentlicher Seite zu fördern, um energetische Sanierungsaktivitäten wirksam und kosteneffizient anzuregen.

Achtnicht, Martin und Reinhard Madlener (2012), Factors Influencing German House Owners' Preferences on Energy Retrofits, ZEW Discussion Paper No. 12-042, Mannheim. Download

Autoren

Achtnicht, Martin
Madlener, Reinhard

Schlagworte

Building Energy Retrofit, Choice Experiment, Energy Efficiency, Residential Buildings