Die Europäische Kommission verfolgt in ihrer Strategie "Europe 2020" das Konzept einer "intelligenten, nachhaltigen und integrativen Wirtschaft", das mit Verbesserungen in den Bereichen grüner Produktion und grünen Konsums einhergeht. In diesem Konzept sind die Einführung und Diffusion von Umweltinnovationen durch Unternehmen ein Schlüssel für die Verbesserung der Nachhaltigkeit des Produktionsprozesses, sowohl bezüglich des integrierten Umweltschutzes (Cleaner Production measures) als auch bezüglich nachgeschalteter Maßnahmen (End-of-Pipe technologies).

Während über die Determinanten von Umweltinnovationen in der Literatur wachsende Einigkeit besteht, werden die ökonomischen Implikationen ihrer Adoption immer noch kontrovers diskutiert. Müssen Unternehmen auf rentablere Investitionen verzichten, wenn sie ihre Ressourcen der Verbesserung ihrer ökologischen Performance widmen? Oder handelt es sich um einen neuen Wachstumspfad, der auch Renditen verspricht? Zahlreiche Forschungsprojekte haben sich auf verschiedenen Untersuchungsebenen der Analyse dieser Frage gewidmet, ohne eine klare Antwort zu geben ob sich eine grüne Performance auszahlt oder nicht.

Unser Beitrag zur Diskussion besteht in einer Differenzierung zwischen verschiedenen Typen von Umweltinnovationen. Unser wesentliches Argument ist, dass die Antwort auf die Frage davon abhängt, auf welche Weise ökologisch innoviert wird. Mit anderen Worten: Die "Black Box" von Umweltinnovationen muss geöffnet werden, um ihre Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit differenzieren zu können.

Empirische Evidenz für dieses Argument finden wir in Daten zum Innovationsverhalten deutscher Unternehmen, die wir aus zwei Wellen des Mannheimer Innovationspanels für die Jahre 2011 und 2009 zusammengestellt haben. Unser Ergebnis lautet, dass die Frage a priori nicht beantwortet werden kann. Stattdessen ist der Typ von Umweltinnovationen zu spezifizieren. Effizienzverbessernde Innovationen wie beispielsweise Maßnahmen zur Erhöhung der Energie- und Materialeffizienz weisen eine positive Wirkung auf die ökonomische Performance von Unternehmen aus. Negativ sind die Wettbewerbswirkungen dagegen bei jenen Umweltinnovationen, die lediglich negative externe Effekte der Produktion internalisieren, wie beispielsweise die Reduktion von Lärm-, Luft-, Boden- und Wasserbelastungen. Während diese Innovationen - je nach Stand der Umweltregulierung - langfristig durchaus profitabel sein können, zahlen sie sich kurzfristig bei gegebener Umweltregulierung nicht aus.

Bevor eine Umweltinnovation positive Wettbewerbswirkungen zeigt, müssen zunächst bestimmte Schwellenwerte erreicht werden. Unsere Analysen zeigen, dass nur sehr umweltinnovative Unternehmen nach Einführung einer Umweltinnovation Variationen in ihrer Profitabilität aufweisen.

Ghisetti, Claudia und Klaus Rennings (2013), Environmental Innovations and Profitability: How Does it Pay To Be Green?, ZEW Discussion Paper No. 13-073, Mannheim. Download

Autoren

Ghisetti, Claudia
Rennings, Klaus

Schlagworte

Profitability, Externality Reducing Innovations, Energy and Material Efficiency Innovations, Mannheim Innovation Panel