Prof. Dr. Irene Bertschek zum EFI-Gutachten

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Das aktuelle Jahresgutachten der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI), das heute der Bundeskanzlerin pandemiebedingt virtuell übergeben wurde, analysiert u. a. die Auswirkungen der Corona-Krise auf Forschungs- und Innovationsaktivitäten (F&I) von Unternehmen und bezieht Stellung zur aktuellen F&I-Politik der Bundesregierung.

Die EFI-Mitglieder stehen um einen Bildschirm, auf dem Bundeskanzlerin Merkel und Bundesforschungsministerin Karliczek zu sehen sind.
Die Mitglieder der Expertenkommission Forschung und Innovation übergeben das Jahresgutachten 2021 an Bundeskanzlerin Angela Merkel.

„Die Corona-Krise hat die globale Wirtschaft unvermittelt und hart getroffen. Die in Deutschland verhängten Lockdowns bringen massive wirtschaftliche Schieflagen mit sich“, so Prof. Irene Bertschek, Leiterin des Forschungsbereichs „Digitale Ökonomie“ des ZEW – Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim, Professorin für Ökonomie der Digitalisierung an der Justus-Liebig Universität Gießen und Mitglied der EFI.

Um Genaueres über die Auswirkungen der Corona-Krise auf Innovationsprojekte (nicht auf Budgets) der Unternehmen sowie zu den Gründen von Beeinträchtigungen bei solchen Projekten zu erfahren, wurde im Auftrag der Expertenkommission im September 2020 eine Sonderauswertung der ZEW-Konjunkturumfrage vorgenommen. Sie zeigt, dass die Corona-Krise für einen Großteil der deutschen Unternehmen negative Auswirkungen auf deren Innovationsaktivität hat. So haben sich beispielsweise bei rund 32 Prozent der Unternehmen in der Informationswirtschaft und 45 Prozent der Unternehmen im Verarbeitenden Gewerbe existierende Innovationsprojekte verzögert. Weiterhin berichtet ein substanzieller Anteil von Unternehmen, dass sie bereits geplante Projekte nicht begonnen (24 Prozent in der Informationswirtschaft und 38 Prozent im Verarbeitenden Gewerbe) oder keine neuen Innovationsprojekte geplant haben (20 Prozent in der Informationswirtschaft und 25 Prozent im Verarbeitenden Gewerbe). Deutlich seltener geben Unternehmen an, bereits laufende Innovationsprojekte komplett abgebrochen zu haben (11 Prozent in der Informationswirtschaft und 17 Prozent im Verarbeitenden Gewerbe).

Grafik zeigt, wie sich die Corona-Krise auf Innovationsprojekte des Verarbeitenden Gewerbes und der Informationswirtschaft auswirkt.
Die Corona-Pandemie wirkt sich nicht nur negativ auf Innovationsaktivitäten von Unternehmen aus.

„Neben den in erster Linie negativen Auswirkungen der Corona-Krise lassen sich aber auch positive Impulse auf die Innovationsaktivität feststellen: So berichten etwa 26 Prozent der Unternehmen in der Informationswirtschaft und 28 Prozent der Unternehmen im Verarbeitenden Gewerbe, dass die Auswirkungen der Corona-Krise zu neuen Innovationsprojekten geführt haben. Bei 18 Prozent der Unternehmen in der Informationswirtschaft und 10 Prozent im Verarbeitenden Gewerbe hat die Krise gar zu einer Beschleunigung von Innovationsprojekten geführt“, so Bertschek.

Die Grafik beschreibt, welche Gründe Unternehmen aus dem Verarbeitenden Gewerbe und der Informationswirtschaft nennen, warum sich die Corona-Krise negativ auf ihren Betrieb auswirkt.
Weniger Geld für Innovationsprojekte haben rund 79 Prozent der negativ betroffenen Unternehmen im Verarbeitenden Gewerbe.

Die geringere Verfügbarkeit finanzieller Ressourcen wird von den Unternehmen als häufigster Grund für Beeinträchtigungen der Innovationsaktivität genannt. Konkret trifft dies auf rund 79 Prozent der negativ betroffenen Unternehmen im Verarbeitenden Gewerbe sowie auf 64 Prozent in der Informationswirtschaft zu. Weiterhin nehmen viele Unternehmen eine nachlassende Nachfrage nach innovativen Produkten und Diensten wahr. Dieser Grund für Beeinträchtigungen durch die Corona-Krise wird erneut häufiger von den Unternehmen im Verarbeitenden Gewerbe (50 Prozent) als in der Informationswirtschaft (35 Prozent) genannt. Weitere pandemiebedingte Einschränkungen sehen die Unternehmen darüber hinaus in Lieferschwierigkeiten bei für Innovationen wichtigen Materialien und Vorleistungen, der geringeren Verfügbarkeit von FuE-Personal und FuE-Kooperationspartnern, erschwerten Nutzungsmöglichkeiten von FuE-Räumlichkeiten, fehlenden Zugriffsmöglichkeiten auf für Innovationen relevante Daten aus dem Homeoffice und in der für die Arbeit unter Corona-Bedingungen nur bedingt geeigneten unternehmenseigenen digitalen Infrastruktur und Ausstattung.

„Mit zunehmender Dauer der Pandemie können diese Entwicklungen zu einer längerfristigen Schwächung des deutschen F&I-Systems führen“, folgert Prof. Bertschek. „Die Bundesregierung hat wichtige politische Impulse gesetzt – mit kurzfristigen Sofortmaßnahmen und Konjunkturprogrammen. Diese helfen auch dem Forschungs- und Innovationsystem. Für dessen langfristige Wettbewerbsfähigkeit sollten weitere Maßnahmen so F&I-orientiert wie möglich ausgestaltet werden.

Die Expertenkommission begrüßt deshalb das Zukunftspaket der Bundesregierung. Es beinhaltet umfangreiche Investitionen in Bildung, Forschung und Innovation sowie in Zukunftstechnologien wie Künstliche Intelligenz, Wasserstofftechnologie und Quantentechnologie. In diese Richtung sollte es unbedingt weiter gehen.“

ZEW-Konjunkturumfrage

Im Rahmen der ZEW-Konjunkturumfrage Informationswirtschaft, auf der die vorab genannten Ergebnisse basieren, wurden rund 1.410 Unternehmen befragt. Um die Repräsentativität der Analysen zu gewährleisten, wurden die Ergebnisse der Antworten der Teilnehmenden durch das ZEW auf die Anzahl aller Unternehmen der betrachteten Branchen hochgerechnet. Befragt werden in der Umfrage des ZEW regelmäßig Unternehmen mit mindestens fünf Beschäftigten aus den Branchen Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT-Hardware und IKT-Dienstleistungen), Mediendienstleistungen und wissensintensiven Dienstleistungen (Rechts- und Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung, Public-Relations- und Unternehmensberatung, Architektur- und Ingenieurbüros, technische, physikalische und chemische Untersuchung, Forschung und Entwicklung, Werbung und Marktforschung sowie sonstige freiberufliche, wissenschaftliche und technische Tätigkeiten). Alle genannten Branchen bilden zusammen den Wirtschaftszweig der Informationswirtschaft.

Die Erhebung für die Expertenkommission im September 2020 wurde um Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes erweitert. Hierunter fallen die Teilbranchen Chemie und Pharma, Maschinenbau, Fahrzeugbau sowie das sonstige Verarbeitende Gewerbe.

Datum

22.02.2021

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