Zahlreiche theoretische Forschungsarbeiten haben sich mit den Auswirkungen von Informationsasymmetrien auf die Funktion von Kreditmärkten auseinandergesetzt. Da die Leistung des Kreditgebers und die Gegenleistung des Kreditnehmers zeitlich auseinanderfallen und die Informationen hinsichtlich der Ertragsaussichten der finanzierten Projekte asymmetrisch verteilt sind, kann es zu mengenbeschränkendem Anbieterverhalten kommen. Zu vermuten ist, dass Mengenrationierung insbesondere gegenüber informationsintensiven Nachfragergruppen auftritt, wie beispielsweise Unternehmen mit starken Innovationsaktivitäten und jungen bzw. kleinen Unternehmen. Ziel des Projektes war es, mit mikroökonometrischen Verfahren die Bedeutung des Kreditrationierungsphänomens für den deutschen Kreditmarkt zu quantifizieren. Als Datengrundlage diente hierzu eine Befragung von 1500 kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). In den Untersuchungen war vorgesehen, mit verschiedenen Methoden Modelle des Kreditvergabeverhaltens von Banken sowie zu den Auswirkungen von Finanzierungsrestriktionen auf Investitionen und Innovationen zu entwickeln. Die Ergebnisse zeigen, dass sich lang andauernde und enge Bankbeziehungen insbesondere für die Besicherungsanforderungen und die Kreditverfügbarkeit der untersuchten Unternehmen positiv auswirken. Trotz dieser offensichtlichen Vorteile exklusiver Bankbeziehungen haben viele KMU in dem verwendeten Datensatz mehrere Bankbeziehungen. Mit Hilfe multivariater Verfahren lässt sich neben den positiven Größen- und Alterseffekten auf die Zahl der Kreditgeber beobachten, dass insbesondere finanziell schwache und innovative Unternehmen tendenziell mehr Kreditgeber haben als finanziell starke und nicht innovative KMU. Diese Ergebnisse stehen mit theoretischen Modellen im Einklang, die die Rolle mehrerer Bankbeziehungen als eine Absicherung gegen mögliche Streichungen von Kreditlinien betonen. Seit dem 1. Januar 2000 arbeitet das Projektteam an einem ebenfalls von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierten Nachfolgeprojekt mit demselben Titel, das bis Ende 2001 läuft.

Zuwendungsgeber

Deutsche Forschungsgemeinschaft, Bonn, DE

Projektzeitraum

01.01.1998 - 31.12.1999

Kontakt
Projektteam

Prof. Dr. Dietmar Harhoff, Ph.D. (Leitung)
Timm Körting
Dr. Fred Ramb

Kooperationspartner

Prof. Stephen Bond, University of Oxford, Nuffield College, Oxford, GB, The Institute for Fiscal Studies (IFS), London, UK
Prof. Dr. Norbert Schulz, Bayerische Julius-Maximilians Universität Würzburg, Würzburg, DE
Prof. Konrad Stahl, Ph.D., Universität Mannheim, Mannheim, DE
Prof. John Van Reenen, University College London, The Institute for Fiscal Studies (IFS), London, UK