In der Reihe der Mannheimer Wirtschafts- und Währungsgespräche hielten im Januar 2007 der Finanzminister des Landes Baden-Württemberg, Gerhard Stratthaus MdL, und der Direktor des Mannheimer Forschungsinstituts Ökonomie und Demographischer Wandel (MEA), Prof. Axel Börsch-Supan, Ph.D., Vorträge am ZEW. Gerhard Stratthaus referierte am 22.1.2007 zum Thema "Staatsverschuldung im föderalen Staat". Der Vortrag von Axel Börsch-Supan am 29.1.2007 befasste sich mit dem Thema "Gesamtwirtschaftliche Auswirkungen des demographischen Wandels".

Der baden-württembergische Finanzminister bezeichnete in seinem Vortrag über die "Staatsverschuldung im föderalen Staat" die nachhaltige Konsolidierung des Landeshaushalts als das zentrale Ziel der Landesregierung. Allerdings lasse sich die Nullverschuldung bis 2011 nur mit einer langfristigen Strategie und strukturellen Sparmaßnahmen erreichen. Daneben müssten auch die finanziellen Beziehungen in der föderalen Struktur der Bundesrepublik zukunftsfähig gestaltet werden. Die Gelegenheit zur Neuordnung der Finanzverhältnisse in der Föderalismuskommission dürfe daher nicht verpasst werden. In den Mittelpunkt seiner Ausführungen über "Gesamtwirtschaftliche Auswirkungen des demographischen Wandels" stellte MEA-Direktor Axel Börsch-Supan insbesondere die aus dem demographischen Wandel resultierenden Konsequenzen für die Systeme der sozialen Sicherung wie etwa die Rentenversicherung, die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und die Produktivität sowie die Effekte für die Kapitalmärkte. Von zentraler Bedeutung ist für Börsch-Supan der Arbeitsmarkt. Hier müsse langfristig einer zu starken Senkung der Erwerbsquote entgegengewirkt werden, insbesondere indem der Anteil der älteren Erwerbstätigen erhöht werde. Den Einwand, dass Ältere weniger produktiv seien, lässt Börsch-Supan nicht gelten. Eine empirische Studie des MEA zeige, dass ältere Arbeitnehmer die Nachteile, die ihr Alter mit sich bringe, durch Erfahrung und Allgemeinwissen vollständig ausgleichen könnten. Auch das Argument, dass Ältere dann Arbeitsplätze für Jüngere blockierten, wehrt er ab. Ganz im Gegenteil zeigten Beispiele im Ausland, dass ein hoher Anteil Älterer unter den Erwerbstätigen mit niedrigeren Arbeitslosenraten als in Deutschland einhergingen. Bei der Rentenreform plädiert Börsch-Supan dafür, die Kapitalmärkte besser zu nutzen. Die Gefahr eines "Asset-meltdown" bei Eintritt der geburtenstarken Jahrgäng ins Rentenalter, sieht Börsch-Supan nicht, da ein Entsparen nicht abrupt erfolge, sondern über viele Jahre hinweg. Insgesamt warnte der Referent vor Pessimismus. Die Herausforderungen durch den demographischen Wandel seien durch beherzte Reformen durchaus zu bewältigen. Die Mannheimer Wirtschafts- und Währungsgespräche sind eine besonders auf kreditwirtschaftliche Themen ausgerichtete Vortragsreihe der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Rhein-Neckar (VWA), der Universität Mannheim, des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), und der Mannheimer Bankenvereinigung.

Datum

30.01.2007

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