Den Fall der Berliner Mauer vor 20 Jahren würdigt das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) Mannheim mit einer Ausstellung von Mauer-Fotos des in Dresden lebenden Künstlers Piet Joehnk. Höhepunkt der Ausstellung, die noch bis zum 22. Dezember 2009 in den Räumen des ZEW besichtigt werden kann, war am 9. November, dem Jahrestag des Mauerfalls, eine Vernissage mit dem Künstler und 170 geladenen Gästen. In seinen Fotografien dokumentiert Joehnk die Situation auf der westlichen Seite der Mauer im Jahr 1986. Neben vielen unbekannten Sprühereien befinden sich unter den aufgenommenen Mauer-Bildern auch Motive der französischen Künstler Christophe-Emmanuel Bouchet und Thierry Noir.

Zu Beginn der Vernissage wertete der Präsident des ZEW, Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Wolfgang Franz, den Fall der Mauer als einen der großen Momente deutscher Geschichte. Wie in einem wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsinstitut nicht anders möglich, beschäftigte Franz sich dann in einem kurzen Exkurs mit dem Stand der deutschen Wiedervereinigung. Aus ökonomischer Perspektive sei die Wiedervereinigung durchaus ein Erfolg, meinte der ZEW-Chef. Blühende Landschaften seien zwar nicht erreicht, aber auch die von manchen geäußerte Prophezeiung, die neuen Bundesländer würden zu einem deutschen Mezzogiorno, sei nicht eingetroffen. Vielmehr habe es einen enormen Aufholprozess gegeben, den man nicht klein reden solle. Bei der Wiedervereinigung habe die Arbeitsproduktivität eines Arbeiters in Ostdeutschland bei 30 Prozent derjenigen eines Arbeiters in Westdeutschland gelegen. Inzwischen betrage sie immerhin 70 Prozent und das sei ein beachtlicher Erfolg.

 

Die Mauer-Fotos von Piet Joehnk sowie die darauf zu sehenden Graffitis, Sprüche und Szenen analysierte Professor Henry Keazor. Der Inhaber eines Lehrstuhls für Kunstgeschichte an der Universität des Saarlandes schlug einen Bogen von den Fassadenmalereien der Renaissance bis zu den Mauer-Bildern. Viele von diesen, so Keazor, seien ein Protest gegen die deutsche Teilung gewesen. Neben der Thematisierung politischer, gesellschaftlicher und zeitgeschichtlicher Fragen sei die Bemalung der Mauer aber auch der Versuch gewesen, aus einem unwirtlichen, von hässlichem Beton geprägten "Unspace" inmitten einer Großstadt "Space" zu machen und diesen unwirtlichen Zustand somit nicht einfach zu akzeptieren. Mit dem Fall der Mauer seien viele der ursprünglichen Malereien und Sprüche verloren gegangen. Piet Joehnk komme das Verdienst zu, mit seinen Fotografien einen Teil dieser einmaligen Zeitdokumente bewahrt und mit einer ganz eigenen Ästhetik im Bild festgehalten zu haben.

Piet Joehnk, der zum Abschluss des offiziellen Teils der Vernissage das Wort ergriff, dankte ZEW-Präsident Franz für seine einführenden Worte und Henry Keazor für seine exzellente Analyse. Keazor habe ihm in seinem Vortrag, so Joehnk, eine zum Teil ganz neue Perspektive auf das eigene Schaffen eröffnet.

Für die musikalische Untermalung der Veranstaltung sorgte das Musik-Ensemble SERENITY mit Matthias Coenen, Stefan Boeters und Günther Schmitz.