Hohe Unsicherheit über weiteren Konjunkturverlauf

Konjunkturtableaus von ZEW und Börsen-Zeitung

Konjunkturexperten/-innen geben sehr unterschiedliche Prognosen ab

Die Expertinnen und Experten für Konjunktur reduzieren ihre Konjunkturprognosen für Deutschland sehr deutlich. Einher geht das mit immer weiter ansteigenden Inflationsprognosen und großer Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Konjunktur. Das zeigen die Konjunkturtableaus von ZEW Mannheim und Börsen-Zeitung.

Im zweiten Quartal zeigen die revidierten Werte für das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland ein leichtes Wachstum von 0,1 Prozent zum Vorquartal, nachdem zunächst ein stagnierendes BIP gemeldet worden war. Gleichwohl sind die Aussichten für das dritte und vierte Quartal 2022 sowie für 2023 derzeit recht trübe. Dies zeigt sich deutlich am Rückgang der Konjunkturprognosen für dieses und das nächste Jahr.

Unsicherheit führt zu sehr unterschiedlichen Prognosen

Für 2022 sinkt der Median der BIP-Prognosen von 1,7 auf 1,5 Prozent. Für das kommende Jahr ist der Rückgang noch wesentlich stärker. Die Medianprognose beträgt nur noch 1,3 Prozent, im Vormonat lag sie noch bei 2,1 Prozent. Die pessimistischste Einzelprognose für 2023 liegt bei einem realen Rückgang des BIP um 1,8 Prozent, zuvor lag dieser Wert bei minus einem Prozent. Die Bandbreite der Einzelprognosen hat sich für das nächste Jahr damit wesentlich ausgeweitet, von -1,0 bis 3,8 Prozent im Monat zuvor, auf aktuell -1,8 bis 3,7 Prozent. Dies kann als Ausdruck einer großen Unsicherheit unter den Prognostikern interpretiert werden. Die Prognosen schwanken für das nächste Jahr zwischen einer deutlichen Rezession der deutschen Wirtschaft und einem relativ guten Wachstum – viel heterogener könnten die Prognosen fast nicht mehr ausfallen.

Hohe Preissteigerungsrate erwartet

Die Inflationsprognosen wurden für beide Jahre drastisch nach oben gesetzt. Für 2022 sehen die Konjunkturexpertinnen und -experten für die durchschnittliche Inflationsrate nun im Median einen Wert von 7,4 Prozent. Dies ist ein Anstieg um 0,4 Prozentpunkte im Vergleich zu den Prognosen, die im August vorlagen. Für 2023 steigt die Medianprognose von 3,7 auf aktuell 4,3 Prozent. Obwohl sich der zeitliche Verlauf der Prognosen nicht verändert hat – mit einem Gipfelpunkt der Inflation gegen Ende 2022 und ab da einem deutlichen Rückgang im Jahr 2023 – zeigt die Niveauerhöhung für 2023, dass eine weiterhin hohe Preissteigerungsrate erwartet wird. Bei einer Bandbreite der Prognosen von 2,1 bis 6,0 Prozent zeigt der Medianwert von 4,3 Prozent, dass die der Europäischen Zentralbank vor weiteren sehr schwierigen Monaten stehen dürfte und bislang kein Grund ersichtlich ist, die Zinsen nicht spürbar weiter zu erhöhen. Die Expertinnen und Experten rechnen (im Median) auch schon für dieses Jahr mit einem weiteren Anstieg der 3-Monatszinsen von derzeit 0,71 Prozent auf 1,0 Prozent und für 2023 auf 1,6 Prozent.

Konjunkturtableaus von ZEW und Börsen-Zeitung

In Kooperation mit der Börsen-Zeitung veröffentlicht das ZEW seit dem Jahr 2013 monatlich Konjunkturtableaus für Deutschland und die Eurozone mit volkswirtschaftlichen Kennzahlen und Prognosen. Zahlreiche Banken und Institute veröffentlichen in unterschiedlichen Abständen Berichte über die aktuelle und voraussichtliche wirtschaftliche Lage. Aus diesen Publikationen werden die für das Tableau relevanten Informationen herausgefiltert und der Median, das Minimum und das Maximum aus den Prognosen für das jeweils laufende und dessen Folgejahr berechnet.

Die monatlich veröffentlichten Konjunkturtableaus zeigen die aktuellen Prognosen für das Bruttoinlandsprodukt (BIP), die Verwendungskomponenten des BIP, Verbraucherpreise, Industrieproduktion, Arbeitslosenquote und lang- und kurzfristige Zinsen sowie Zinsdifferenzen. Der Fokus liegt auf nationalen Informationsquellen, allerdings ergänzen die Prognosen einiger internationaler Banken und Institute die Datenbasis des Tableaus. Das Tableau für den Euroraum wird zudem noch mit Daten von europäischen Banken und Instituten erweitert.