Karenztage und Absenkung der Lohnersatzrate – eine ökonomische Analyse
Contributions to Edited Volumes and Conference Proceedings // 2025Über das gesamte Jahr 2024 und auch im Jahr 2025 gab es in Deutschland eine leidenschaftlich geführte wirtschaftspolitische Diskussion über (zu) hohe krankheitsbedingte Fehlzeiten. Auslöser dieser breiten Debatte – der ersten seit den Reformen der Lohnfortzahlung in den 1990ern Jahren – waren etliche Berichte über vermeintlich sprunghaft gestiegene Fehlzeiten, die die deutsche Wirtschaft mit 77 Mrd. € jährlich belasten würden und nicht nachhaltig seien (Pimpertz 2024). 77 Mrd. beträgt die statistisch berechnete Summe der Arbeitgeberlohnfortzahlungen im Jahr 2023. Hinzu kommen die Ausgaben der Krankenkassen für Langzeitkranke, das Krankengeld, in Höhe von 19 Mrd. € im Jahr 2023 (KBV 2025).
Hintergrund der Debatte ist (auch) die anhaltende wirtschaftliche Schwäche Deutschlands und ein Abrutschen der Standortattraktivität Deutschlands. Hohe Fehlzeiten stellen demnach nicht nur eine hohe finanzielle Belastung für Unternehmen dar, sondern verstärken auch den Fachkräftemangel (Pimpertz 2024). Die Konsumentennachfrage kann durch unerwartete krankheitsbedingte Ausfälle unter Umständen nicht mehr bedient werden. Zudem werden Firmen vor hohe arbeitsorganisatorische Herausforderungen gestellt.
Ziebarth, Nicolas R. (2025), Karenztage und Absenkung der Lohnersatzrate – eine ökonomische Analyse, in: Helmut Schröder (Eds.), Vol. 2025, Springer Nature 675-685