Groß gegen Klein? Der Industriestrompreis als Risiko für Effizienz und Wettbewerb
ZEW policy brief No. 26-03 // 2026Aufgrund stark gestiegener Stromkosten möchte die deutsche Bundesregierung ab 2026 mit dem Industriestrompreis energieintensive Branchen entlasten, indem bis zu 50 Prozent ihres Verbrauchs auf 50 Prozent des Großhandelspreises (min. 50 €/MWh) gedeckelt werden. Dieser reiht sich in eine Reihe existierender und vergangener Entlastungsmaßnahmen ein. Vergünstigungen bei Netzentgelten, CO2 bezogenen Strommehrkosten und in der Vergangenheit der EEGUmlage haben insbesondere für Großverbraucher in energieintensiven Industrien zu deutlich geringeren Strompreisen geführt als für kleinere Verbraucher. 2024 zahlten Kleinverbraucher rund 272 €/MWh, Großverbraucher nur 155 €/MWh. 63 Prozent dieser Preisdifferenz kamen durch Unterschiede bei Netzentgelten, Steuern und Abgaben zustande. Der Industriestrompreis würde die Stromkosten der begünstigten Unternehmen in der Tat signifikant senken. Unsere Studie zeigt jedoch, dass solche selektiven Vergünstigungen Wettbewerbsverzerrungen schaffen, die der Energieeffizienz schaden und sich negativ auf die Produktivität der Industrie auswirken können: Nicht geförderte Firmen mit hohen Energiepreisen verlieren Marktanteile oder scheiden aus, während begünstigte, aber weniger energieeffiziente Produzenten wachsen. Dadurch sinkt die Energieeffizienz ganzer Industrien. Langfristig kann eine Politik, die etablierte Großverbraucher schützt, Innovation hemmen und die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts Deutschland schwächen.
Krug, Joscha, Kathrine von Graevenitz and Elisa Rottner (2026), Groß gegen Klein? Der Industriestrompreis als Risiko für Effizienz und Wettbewerb, ZEW policy brief No. 26-03, Mannheim