Grüne Finanzintermediation

Finanzintermediation und ihre Rolle in der grünen Transformation

Wie kann der Finanzsektor den Übergang zu einer klimafreundlichen Wirtschaft wirksam unterstützen? Ein Team aus dem Forschungsbereich „Altersvorsorge und nachhaltige Finanzmärkte“ am ZEW untersucht im Projekt INTERACT gemeinsam mit dem ifo Institut – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München, wie Kapital gezielt in nachhaltige Investitionen gelenkt werden kann. Analysiert wird der gesamte Prozess der grünen Finanzintermediation – von Investorennachfrage und Regulierung bis hin zu den Klimaauswirkungen. Erste Ergebnisse zeigen: ESG-Ratings und Finanzwissen sind zentrale Treiber, und grüne Anleihen können Banken zu klimafreundlicherer Kreditvergabe anregen. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördert.

(Youpeng Zhang, Prof. Dr. Tabea Bucher-Koenen, Bennet Janssen und Prof. Dr. Karolin Kirschenmann (v. l. n. r.))


Finanzmärkte und Klimaziele: Wo stehen wir?

Was untersucht INTERACT?

INTERACT analysiert die gesamte Wirkungskette nachhaltiger Finanzströme – von der Nachfrage der Investorinnen und Investoren über Finanzierungsmechanismen bis hin zu messbaren Klimaeffekten. Ziel ist es, besser zu verstehen, über welche Kanäle der Finanzsektor tatsächlich zur Transformation beiträgt und wo es noch Defizite gibt.

Reicht das Engagement des Finanzsektors derzeit aus?

Die Projektergebnisse legen nahe, dass noch erheblicher Handlungsbedarf besteht. Insbesondere ist unklar, über welche Mechanismen Kapital am effektivsten in nachhaltige Investitionen gelenkt werden kann. Genau hier setzt die Forschung des Projektteams an.


Finanzwissen und ESG-Ratings als zentrale Hebel für Privatanleger

Welche Rolle spielen private Anlegerinnen und Anleger?

Eine zentrale Erkenntnis ist, dass vielen Haushalten nachhaltige Finanzprodukte kaum bekannt sind. Meist fehlt es an grundlegenden Kenntnissen, um Nachhaltigkeitsziele in Anlageentscheidungen zu integrieren. Finanzielle Bildung, insbesondere mit Blick auf nachhaltige Anlagen, ist daher ein entscheidender Hebel.

Gleichzeitig zeigt sich, dass die Mehrheit der Aktienanlegerinnen und -anleger in nachhaltige Fonds investiert. ESG-Ratings können nachhaltige Investitionen fördern. Wenn diese jedoch stark voneinander abweichen, sinkt das Vertrauen und damit auch die Investitionsbereitschaft.


Grüne Anleihen mit Wirkung – aber begrenzt

Wie gelangt Kapital in nachhaltige Projekte?

Grüne Anleihen spielen hier eine wichtige Rolle. Sie motivieren institutionelle Investoren zu nachhaltigen Anlagen und regen Banken dazu an, Kredite mit positiven Klimaeffekten zu vergeben.

Allerdings ist ihre Wirkung begrenzt: Positive Effekte zeigen sich vor allem bei Unternehmen, die bereits vergleichsweise nachhaltig sind. Für CO₂-intensive Unternehmen reichen diese Instrumente bislang nicht aus. Um die Transformation breiter voranzutreiben, sind gezieltere Ansätze erforderlich.


Regulierung zwischen Wirkung und Kosten

Welche Bedeutung hat die Regulierung?

Regulatorische Instrumente wie die EU-Taxonomie oder Nachhaltigkeitsberichterstattung sollen Kapitalströme lenken. Die Projektergebnisse zeigen, dass die Kreditvergabe von Banken tatsächlich auf die Regulierungen reagiert und Banken Transitionsrisiken durch entsprechende Vertragsgestaltung managen.

Gleichzeitig verursachen Berichtspflichten erhebliche Kosten – insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen, auch indirekt über Lieferketten. Diese Kosten sind nur dann gerechtfertigt, wenn sie tatsächlich zu mehr nachhaltigen Investitionen führen. Hier besteht Evaluations- und Anpassungsbedarf.


Balance zwischen Stabilität und Weiterentwicklung

Was bedeutet das für die Politik?

Die zentrale Herausforderung besteht darin, eine Balance zu finden: Regulierungen müssen weiterentwickelt werden, gleichzeitig brauchen Marktteilnehmerinnen und -teilnehmer stabile und verlässliche Rahmenbedingungen. Gerade für langfristige Investitionen ist Planungssicherheit entscheidend.

Zudem unterstreichen die Ergebnisse die Bedeutung von Finanzbildung. Nachhaltige Transformation gelingt nur, wenn Investorinnen und Investoren die notwendigen Informationen und Kompetenzen besitzen, um fundierte Entscheidungen zu treffen.


Was private Kapitalgeber für die grüne Transformation brauchen

Wie kann privates Kapital zur Finanzierung der grünen Transformation aktiviert werden? 

Diese Frage stand im Mittelpunkt der ZEW Lunch Debate „Financing the Green Transition: The Role of Private Capital“ in der Vertretung des Landes Baden-Württemberg bei der EU in Brüssel. 

Unter der Leitung der ZEW-Ökonominnen Prof. Dr. Tabea Bucher-Koenen und Prof. Dr. Karolin Kirschenmann tauschte sich ein Panel darüber aus, was private und institutionelle Investoren motiviert und hemmt, sich an der Finanzierung der Green Economy zu beteiligen, und diskutierte über regulatorische Rahmenbedingungen für Kapitalmärkte. 

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Impact Award für ZEW-Ökonomen

Die ZEW-Ökonomen Bennet Janssen und Youpeng Zhang wurden beim Liechtenstein Workshop of Sustainable Finance 2025 mit dem Impact Award der LIFE Climate Foundation Liechtenstein ausgezeichnet.

Ihre Studie zeigt auf Basis einer Befragung von über 2.000 Privatanlegern in Deutschland: Starke Unterschiede zwischen ESG-Ratings verschiedener Anbieter verringern die Bereitschaft, in nachhaltige Fonds zu investieren. 


Altersvorsorge und nachhaltige Finanzmärkte

Der Forschungsbereich „Altersvorsorge und nachhaltige Finanzmärkte“ analysiert die Herausforderungen für Altersvorsorgesysteme und Finanzbranche, die durch globale Trends – wie demografischer Wandel, Digitalisierung und Klimawandel – entstehen.

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Kontakt

Karolin Kirschenmann

Prof. Dr. Karolin Kirschenmann

Stellvertretende Leitung E-Mail karolin.kirschenmann@zew.de Telefon +49 0621 1235-351
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