In diesem Projekt sollen Auswirkungen der jüngsten Insolvenzrechtsreformen in Deutschland (1999 und 2012) untersucht werden. Durch diese Reformen sollen Chancen auf Sanierung und Fortführung insolventer, jedoch überlebensfähiger Unternehmen verbessert werden. Zu diesem Zweck wurde in der neuen Insolvenzordnung das Instrument des „Insolvenzplanverfahrens“ eingeführt.
Dieses Projekt hat zum Ziel, zu überprüfen, ob die durch die Reformen intendierten Ziele erreicht wurden. Insbesondere ist aus unserer Sicht von Interesse, ob die neue Insolvenzordnung zu einem effizienten Selektionsprozess unter insolventen Unternehmen führt. Der Selektionsprozess sollte dazu führen, dass ineffiziente, d.h. dauerhaft nicht überlebensfähige, Unternehmen liquidiert und im Gegenzug effiziente Unternehmen saniert werden. Im Zuge von Insolvenzverfahren kann es prinzipiell zu zwei Arten von Fehlern kommen: 1. Ineffiziente Unternehmen werden erhalten und 2. effiziente Unternehmen werden liquidiert, in beiden Fällen ein aus ökonomischer Sicht falscher Ausgang des Insolvenzverfahrens. Die konkrete Ausgestaltung der Insolvenzordnung hat also große Bedeutung für die ökonomischen Folgen von Zahlungsunfähigkeiten und Überschuldung von Unternehmen.
Durch die geplanten empirischen Analysen, die mit den Unternehmensdaten des Mannheimer Unternehmenspanels (MUP) des ZEW und mit ZEW-Befragungsdaten durchgeführt werden, sollen eine Reihe von Forschungsfragen beantwortet werden. Zusammengefasst wollen wir die Zielgenauigkeit der neuen Insolvenzordnung messen, d.h. wie gut durch das Insolvenzplanverfahren das Überleben von Firmen gesichert werden kann, die tatsächlich auch in der Zukunft alleine überlebensfähig sind. Die Determinanten für einen erfolgreichen Ausgang eines Insolvenzplanverfahrens sollen bestimmt werden. Ein besonderes Augenmerk legen wir dabei auf den Zeitpunkt der Insolvenzanmeldung, um die Frage zu beantworten, ob eine frühzeitige Insolvenzanmeldung zu einer Verbesserung der Überlebenschancen der Unternehmen führt.

Dieses Projekt wird durch die Fritz Thyssen Stiftung gefördert.