Die Medizintechnik zählt im internationalen Vergleich zu einer der technologisch führenden Branchen der deutschen Wirtschaft. Anfang des 21. Jahrhunderts steht sie allerdings vor einer Vielzahl an neuen Herausforderungen. Der Markt für Gesundheitsdienstleistungen wird zunehmend kompetitiver und internationalisiert sich immer mehr, wobei andere Länder weiter vorangeschritten sind als Deutschland. Gleichzeitig bringt die anstehende Reform des Gesundheitswesens neue Rahmenbedingungen und Anreize für die Entwicklung und den Absatz von Medizintechnikprodukten. Mit dem Fortschritt in der Medizin, der Erhöhung der Lebenserwartung und dem Auftreten neuer Krankheiten stellen sich neue Anforderungen an die Produkte der Medizintechnik. Eine Besonderheit der Medizintechnik, die auch wesentlich ihre technologische Leistungsfähigkeit bestimmt, ist das enge Zusammenwirken von wissenschaftlicher Forschung in Medizin und technischen Wissenschaften mit der Innovationstätigkeit der Unternehmen, den Anforderungen und Impulsen aus dem Gesundheitswesen (Krankenhäuser, niedergelassene Ärzte) und der staatlichen Regulierung von Produkten und Preisen (im Rahmen der Regulierung des Krankenversicherungssystems)

Das Ziel der Studie ist, diese verschiedenen Aspekte der Medizintechnik als wissenschaftsbasierten Sektor für Deutschland im internationalen Vergleich zu analysieren und daraus Handlungsempfehlungen für struktur- und förderpolitische Maßnahmen der Forschungs- und Innovationspolitik abzuleiten.

Die Studie wird von einem Konsortium durchgeführt, das sieben thematische Module bearbeitet:

  • Leistungsfähigkeit der wissenschaftlichen Forschung zur Medizintechnik
  • Forschung, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit der Medizintechnik-Branche
  • Unternehmensgründungen und Spinoffs in der Medizintechnik
  • interdisziplinäre Themenworkshops zu neuen Herausforderungen in der Medizintechnik
  • Innovationspotenzial von Schlüsseltechnologien
  • Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen (Finanzierung)
  • Handlungsempfehlungen

Das ZEW trägt zu dieser Studie im Modul Unternehmensgründungen und Spinoffs sowie zur Analyse der Medizintechnik-Branche bei. Auf Basis des ZEW-Gründungspanels und der ZEW-Spinoffstudie werden Struktur und Entwicklung der Unternehmensgründungen in dieser Branche im Zeitraum 1995-2002 untersucht. Darüber hinaus werden einige Strukturmerkmale, Verflechtungsbeziehungen sowie Patentaktivitäten von Unternehmen der Medizintechnik analysiert.

Pro Jahr wurden im Durchschnitt der des Zeitraums 1995-2002 rund 1.150 neue Unternehmen gegründet, die Medizintechnikprodukte herstellen oder Dienstleistungen im Bereich der Medizintechnik anbieten. Im Vergleich zum Gründungsgeschehen in Deutschland insgesamt sowie in den wissensintensiven Branchen ist in der Medizintechnik eine überdurchschnittliche hohe, positive Gründungsdynamik festzustellen. Gründungen in der Medizintechnik sind außerdem überdurchschnittlich stark wissensorientiert. Medizintechnik-Gründungen weisen jedoch einen deutlich höheren Anteil an gescheiterten Gründungen auf: Ende 2003 waren rund ein Drittel der Gründungen der Jahre 1995-2002 wieder geschlossen, gegenüber weniger als einem Sechstel bei den wissensintensiven Branchen insgesamt. Die Kombination aus der Unsicherheit des Markterfolges, langen Produktentwicklungszeiten und des hohen Finanzierungsbedarfs erklärt die hohen Schließungsquoten in der Medizintechnik. Dennoch ist der Beschäftigungssaldo des Gründungsgeschehens in der Medizintechnik insgesamt positiv.

Medizintechnik-Gründungen sind in einem überdurchschnittlichen Ausmaß über Wagniskapital (Venture Capital - VC) finanziert. Wenngleich der Anteil der VC-finanzierten Gründungen mit 1,5 % auf den ersten Blick sehr niedrig ist, so ist er doch doppelt so hoch wie im Durchschnitt aller Gründungen in den wissensintensiven Wirtschaftszweigen. Vor allem aber handelt es sich bei VC-finanzierten Unternehmen um die vom Forschungs- und Wachstumspotenzial her interessantesten Gründungen. Die Schwäche des deutschen Wagniskapitalmarktes seit 2001 stellt ein ernsthaftes Finanzierungsproblem für diese jungen Unternehmen dar und hemmt die Gründungen neuer forschungsbasierter Unternehmen in der Medizintechnik. Gründungen im Team bzw. durch promovierte Akademiker oder durch Handwerksmeister besitzen eine besonders hohe Überlebenswahrscheinlichkeit. Eine stärkere Forschungs- und Entwicklungsorientierung bewirkt ein höheres Beschäftigungswachstum.

Ausgewählte Publikationen

Monographien, Beiträge in Sammelbänden

Rammer, Christian (2004), Gründungsgeschehen nach Produktgruppen, in: AKM, AGIT und DGBMT Zur Situation der Medizintechnik in Deutschland im internationalen Vergleich, Aachen und Frankfurt, 97-148.