In den letzten Jahren hat die Forschung zur Analyse der Bestimmungsgründe von Innovationen im Umweltbereich an Bedeutung gewonnen. Die diesbezüglichen ökonometrischen Untersuchungen konzentrierten sich dabei auf Umweltinnovationen im Allgemeinen, lediglich einige unterschieden dabei etwa zwischen End-of-pipe und integrierten Umwelttechnologien. Aufgrund des Mangels an geeigneten Daten hat die bestehende Literatur die Analyse der Determinanten unterschiedlicher Umweltinnovationsbereiche wie Recycling, kohlendioxidarme Verbrennungstechniken oder Wasserreinigung vernachlässigt. Das Hauptziel dieses Artikels ist es daher, herauszufinden, ob unterschiedliche Bereiche von Umweltinnovationen gemessen an ihren Umweltwirkungen von unterschiedlichen Faktoren beeinflusst werden. Als Datenbasis kann hierzu die aktuelle deutsche Innovationserhebung des ZEW im Rahmen des europaweiten Innovationspanels 2009 (Community Innovation Panel, CIS) verwendet werden. Zum ersten Mal wurde in dieser Erhebung ein eigenes Modul zu Umweltinnovationen berücksichtigt, das die Analyse dieser Innovationen nach unterschiedlichen Umweltbereichen erlaubt. Im Rahmen unserer Untersuchung werden Umweltinnovationen als Produkt-, Prozess-, Marketing- und organisationsbezogene Innovationen definiert, die zu einer deutlichen Verringerung der Umweltbelastung führen. Es spielt dabei keine Rolle, ob die Umwelteffekte Ziel der Innovationstätigkeit waren, oder lediglich als positiver Nebeneffekt resultierten. In der einschlägigen Literatur werden die Bedeutung von Regulierungen sowie Kosteneinsparungen als Motivationen für die Durchführung von Umweltinnovationen betont. Darüber hinaus müssen jedoch viele weitere Faktoren wie die Ausstattung und Verfügbarkeit technischer Ressourcen, firmenspezifische Faktoren, organisatorische Innovationen, das Wettbewerbsumfeld sowie die Konsumnachfrage einbezogen werden. Die empirische Analyse zeigt, dass sich die Innovationsaktivitäten mit mittleren bis hohen Umweltauswirkungen auf die Bereiche Energieverbrauch, Kohlendioxidemissionen und Recycling konzentrieren, während "etablierte" Bereiche wie die Reduktion von Luftschadstoffen wie Schwefeldioxid oder Stickoxiden sowie der Wasserverschmutzung, die zur Zeit nicht so deutlich in der politischen Diskussion stehen, deutlich unterrepräsentiert sind. Regulierungen sind für die meisten Umweltbereiche außer material- und energiebezogenen Prozessinnovationen von hoher Bedeutung. Besonders für End-of-pipe dominierte Bereiche wie die Reduktion von Luftemissionen wie SO2 und NOx spielen schon existierende und auch erwartete zukünftige Regulierungen eine quantitativ wichtigere Rolle als für andere Bereiche. Für Innovationen zur Energieeinsparung sind eher Kostenersparnisse entscheidend. Umweltmanagementsysteme helfen dabei, derartige Innovationsaktivitäten auszulösen, da sie offenbar dazu beitragen, das Problem nicht funktionierender Informationsflüsse in einem Unternehmen zu lösen. In Bezug auf produktbezogene Umweltinnovationen zeigen die ökonometrischen Analysen, dass schon bestehende Regulierungen nur für Luft-, Wasser- und Lärmemissionen bzw. Bodenbelastung wichtig sind, nicht jedoch für energiesparende Produkte und Recycling. Die befragten Firmen bestätigen jedoch eine hohe Bedeutung zukünftig erwarteter Regulierungen für die Realisierung von umweltschonenden Produkten.

Autoren

Horbach, Jens
Rammer, Christian
Rennings, Klaus

Schlagworte

Environmental Innovation, Environmental Impacts, Discrete Choice Models, Regulation, Cost Savings, Demand Pull, Environmental Policy