Auf dem Spendenmarkt lassen sich drei maßgebliche Akteure unterscheiden: Erstens Spender, die freiwillige Beiträge für bestimmte Spendenzwecke leisten. Zweitens Wohltätigkeitsorganisationen, die mit diesen Spenden Kollektivgüter bereitstellen und das Spendenverhalten durch Fundraising-Aktivitäten beeinflussen. Und drittens der Staat, der durch die private, spendenfinanzierte Bereitstellung von Kollektivgütern finanziell entlastet wird und Spenden durch steuerliche Anreize fördern kann.
Ziel des Forschungsvorhabens ist es, die Interaktion dieser drei Akteure theoretisch und empirisch im Kontext eines ausgedehnten Steuerstaates zu durchleuchten. Auf theoretischer Ebene steht die Interaktion zwischen Wohltätigkeitsorganisationen und Spendern im Vordergrund. Während die Spender an einer möglichst ungeschmälerten Nutzung ihrer Beiträge für die Bereitstellung des Spendenzwecks interessiert sein dürften, werden die Wohltätigkeitsorganisationen einen nicht unwesentlichen Teil des Spendenaufkommens für Fundraising-Aktivitäten verwenden. Aus dieser asymmetrischen Interessenlage erwachsen strategische Implikationen, die insbesondere für die Effekte der steuerlichen Förderung von Spenden bedeutsam sind. Auf der empirischen Ebene zielt das Vorhaben darauf ab, die Interaktion von Spendern und Wohltätigkeitsorganisationen im Rahmen staatlich gesetzter steuerlicher Anreize mit deutschen Daten zu evaluieren.
Die bisherige empirische Spendenliteratur basiert stark auf US-amerikanischen Daten. Dagegen gibt es nur wenige empirische Studien zu Ländern wie Deutschland, in denen soziale, kulturelle, wissenschaftliche und religiöse Kollektivgüter umfassend steuer- oder beitragsfinanziert bereitgestellt werden.