Europas Finanzmärkte gelten seit der Euro-Einführung gemeinhin als in hohem Maße integriert. Dass es sich hier zumindest im Hinblick auf Finanzdienstleistungen für Endverbraucher um eine Fehleinschätzung handelt, wurde in dieser Studie deutlich. Im Vorfeld des Europäischen Rats von Barcelona im März 2002 wurden die Ergebnisse der Öffentlichkeit unter anderem über Veranstaltungen in Brüssel und London vorgestellt. Die Projektkonzeption war durch eine weitgehende Konzentration auf die Finanzdienstleistungen geprägt, die für den Endverbraucher relevant sind („retail“), und bei denen noch erhebliche Integrationsprobleme bestehen. Weniger Aufmerksamkeit wurde den bereits hoch integrierten Marktsegmenten gewidmet, auf denen sich große Unternehmen und Institutionelle engagieren („wholesale“). Bei der Analyse einzelner Retail-Märkte zeigte sich, dass etwa die Märkte für Hypothekenkredite, Online-Banking oder Investmentfonds durch erhebliche nationale Zersplitterung gekennzeichnet sind. Die unvollständige Integration ist kostspielig, insbesondere für den Endverbraucher. Im Projektverlauf ist es gelungen, für einige Märkte die Kosten unvollständiger Integration zu quantifizieren – mit dem Ergebnis, dass es sich hier keineswegs um triviale Größenordnungen handelt. Ein wesentliches Erkenntnisziel der Untersuchungen war nach der Bewertung des bereits erreichten Integrationsstands die Identifikation der Ursachen für die fortdauernden Unvollkommenheiten im Zusammenwachsen der Märkte. Hier zeigt sich, dass es zwar unüberwindbare natürliche Hindernisse wie etwa Sprachunterschiede gibt. Darüber hinaus stellen wirken aber auch solche Rahmenbedingungen integrationshemmend, die veränderbar sind. Zu nennen sind hier Tatbestände steuerlicher Diskriminierung ausländischer Finanzprodukte oder aber nationale Konsumentenschutzvorschriften, die zu protektionistischen Zwecken eingesetzt werden. Die wirtschaftspolitischen Schlussfolgerungen sind eindeutig: Bemühungen wie die der Europäischen Kommission im Kontext des Aktionsplanes Finanzdienstleistungen (Financial Services Action Plan) gehen in die richtige Richtung. Ein höherer Integrationsstand der Finanzmärkte ist nicht nur für den Verbraucher vorteilhaft, sondern würde sich auch positiv auf das europäische Wachstumspotenzial auswirken.

Ausgewählte Publikationen

Monographien, Beiträge in Sammelbänden

Cecchini, Paolo, Friedrich Heinemann und Mathias Jopp (2003), The Incomplete European Market for Financial Services, ZEW Economic Studies, LLL:citation.label.volume 19, Physica-Verlag, Heidelberg/New York.