Die politische Diskussion zur Steigerung der Energieeffizienz fokussiert sich zunehmend auf den Gebäudesektor. Zum einen entfallen etwa 30% des Gesamtenergieverbrauchs in Deutschland auf die Bereitstellung von Raumwärme und Warmwasser in Wohngebäuden. Damit trägt dieser Sektor in bedeutendem Maße zur Emission von Treibhausgasen und den damit verbundenen negativen externen Umwelteffekten bei. Da Emissionen aus dem Konsum dezentral erzeugter Wärme nicht durch das europäische Emissionshandelsystem (EU-ETS) abgedeckt sind, können wohl definierte und effektive Politikinstrumente zu einer tatsächlichen Reduktion von CO2 Emissionen und damit zu einer Abschwächung von Externalitäten aus Verschmutzung beitragen. Zum anderen birgt das Vermieter/Mieter Dilemma weitere Gefahren ökonomischer Ineffizienzen im Gebäudesektor. Asymmetrische Informationen zwischen Eigentümern/Käufern bzw. Vermietern/Mietern bezüglich des energetischen Zustands einer Immobilie können zur adversen Selektion und damit zu Wohlfahrtsverlusten führen. Darüber hinaus entstehen Anreizprobleme, da das deutsche Mietrecht die Möglichkeit einer dauerhaften Umlage von Investitionen in energieeffiziente Technologien auf die Kaltmiete nicht ausreichend abbildet. Trotz aller Förderinstrumente haben Investitionen in energieeffiziente Technologien auf der Nachfrageseite im Gebäudesektor bislang nicht die von politischer Seite angestrebte Höhe und Dynamik erreicht. Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) schätzt, dass 75% der 17 Mio. Wohngebäude in Deutschland noch vor der Einführung der ersten Wärmeschutzverordnung errichtet wurden und weitestgehend unsaniert sind. Trotz eines geringfügigen Anstiegs der Sanierungsquote in den letzten Jahren, sind zwischen 1989 und 2006 weniger als 30% aller möglichen energetischen Sanierungsmaßnahmen durchgeführt worden. Empirische Studien zu Treibern und Hemmnissen einer energieeffizienten Sanierung fokussieren im Wesentlichen auf die Präferenzen selbstnutzender Eigentümer. Da beispielsweise mehr als die Hälfte der deutschen Haushalte in Mietverhältnissen lebt, besteht Forschungsbedarf hinsichtlich der Präferenzbildung in anderenWohnstrukturen. Das Ziel dieser Arbeit ist es, Faktoren der Zahlungsbereitschaft für eine energieeffiziente Immobilie beim Wohnungswechsel zu bestimmen. Als Datengrundlage dient dabei eine Umfrage unter deutschen Haushalten, die mithilfe eines multinominalen diskreten Entscheidungsmodells analysiert wird. Die Schätzergebnisse lassen vermuten, dass die Zahlungsbereitschaft für energieeffizientes Wohnen bei Wohnungswechsel nicht hauptsächlich durch sozioökonomische Variablen wie das monatliche Nettoeinkommen der Haushalte oder den formalen Bildungsstand zu erklären ist. Vielmehr scheinen das Umwelt- und Energiebewusstsein den Nutzen aus einerWohnung mit moderner Heiz- oder Dämmtechnologie zu bestimmen. Auch wenn die Ergebnisse Parallelen zur Zahlungsbereitschaft für nachhaltig produzierte Konsumgüter des alltäglichen Bedarfs aufzeigen, wird der Gebäudesektor im Allgemeinen nicht als bedeutender Sektor für den Klimaschutz wahrgenommen. Das heterogene Antwortverhalten hat damit wichtige Implikationen für effektive Politikinstrumente. Finanzielle Förderprogramme, wie beispielsweise die der KfW Bank sollten den Zugang zum Kapitalmarkt gewährleisten und gleichzeitig die Such- und Transaktionskosten für Konsumenten minimieren. Darüber hinaus bieten Informationsinstrumente wie der Energieausweis eine ökonomisch sinnvolle Alternative, asymmetrischer Information zwischen Anbietern und Nachfragern auf dem Immobilienmarkt entgegen zu steuern.

Schlagworte

Energy efficiency; Multinominal logit model; Residential buildings; Willingness to pay