Die Karriereaussichten junger AkademikerInnen sind in Deutschland seit einigen Jahren Gegenstand einer intensiven öffentlichen Debatte. Der universitäre Karriereweg war bislang aufgrund von wenig angebotenen Lebenszeit-Professuren sowie des hohen Durchschnittsalters bei der Berufung auf eine Professur geprägt von unklaren Karriereperspektiven und folglich hohen Abbrecherquoten. Sowohl in der Promotionszeit als auch in der Postdoc-Phase entschieden sich viele junge Wissenschaftler aufgrund der Arbeitsbedingungen und der mangelnden Karrierechancen für eine Fortsetzung der Karriere an ausländischen Institutionen oder außerhalb der Universität. Es wird häufig argumentiert, dass AkademikerInnen in Deutschland unzureichende Anreize für exzellente Forschung aufweisen und ihre Positionen in wissenschaftlichen Einrichtungen nicht hinreichend unabhängig sind. In den 2000er Jahren setzte die Bundesregierung einige Reformen des Hochschulsystems um, die die Attraktivität einer wissenschaftlichen Karriere an einer deutschen Universität steigern und dadurch im internationalen Wettbewerb konkurrenzfähiger machen sollte. Die im Rahmen der Reformen eingeführte Juniorprofessur zeichnet sich im Vergleich zur traditionellen Habilitation durch mehr Unabhängigkeit aus. Das neue Besoldungssystem zielt auf eine flexiblere und leistungsabhängige Bezahlung von Professoren ab. Grundlage dieser empirischen Studie ist eine Online-Befragung von an Universitäten arbeitenden Postdocs der Fächer Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft, Sozialwissenschaften und Soziologie zu deren Wahrnehmungen und Einstellungen hinsichtlich ihrer Forschungsanreize, Karriereaussichten und Arbeitsbedingungen. Mithilfe dieser Daten lassen sich geschlechtsspezifische oder altersabhängige Unterschiede sowie Diskrepanzen bezüglich der Fachdisziplin und des Familienstands analysieren. Eine Clusteranalyse zeigt, dass man zwischen drei Forscher-Typen differenzieren kann: "Motivated optimists" (motivierte Optimisten), "confident academics" (zuversichtliche Akademiker) und "frustrated academics" ( frustrierte Akademiker). Die "motivierten Optimisten" haben überproportional oft ein Doktorandenprogramm absolviert, häufiger einen betriebswirtschaftlichen Hintergrund, sind im Durchschnitt jünger sowie eher männlich als die AkademikerInnen in den anderen beiden Gruppen. Für alle Postdocs nehmen die Karriereaussichten mit zunehmendem Alter ab und 50% aller Postdocs schätzen ihre akademischen Karrierechancen als schlecht ein. Allerdings berichten 53% der WissenschaftlerInnen von starken Forschungsanreizen, wobei sich diese deutlich zwischen verschiedenen Gruppen unterscheiden. Weibliche, kinderlose Postdocs, Absolventen eines Doktorandenprogramms sowie JuniorprofessorInnen haben die größte Motivation zur wissenschaftlichen Forschung, was der Selektion dieser Gruppen geschuldet sein kann. Es werden keine weiteren geschlechtsspezifischen Unterschiede festgestellt und der Einfluss der durchgeführten Reformen wird nur von JuniorprofessorInnen als bedeutsam eingestuft. Postdocs aus dem Bereich der Sozialwissenschaften und der Soziologie sind bezüglich ihrer Karriereaussichten am pessimistischsten. Bemerkenswert ist, dass 25% aller Befragten der Meinung sind, dass Netzwerke entscheidender als wissenschaftliche Exzellenz für eine akademische Karriere sind, wobei VolkswirtInnen den Einfluss von Netzwerken niedriger als Postdocs anderer Disziplinen einschätzen. Eine signifikante Reduktion der Forschungsanreize infolge von guten Karrierechancen außerhalb des universitären Bereichs konnte nicht festgestellt werden.

Fitzenberger, Bernd und Ute Leuschner (2012), Up or Out: Research Incentives and Career Prospects of Postdocs in Germany, ZEW Discussion Paper No. 12-020, Mannheim. Download

Autoren

Fitzenberger, Bernd
Leuschner, Ute

Schlagworte

Postdocs, Academic Career Prospects, Research Incentives, University Reforms