In der aktuellen Diskussion über Maßnahmen zur Minderung von Wettbewerbsnachteilen durch unilaterale klimapolitische Eingriffe werden derzeit auch zunehmend Umweltzölle (Border Tax Measures) als ein mögliches Politikinstrument diskutiert. Die Beurteilung der ökonomischen Auswirkungen von Umweltzöllen erfolgt häufig im Rahmen von multiregionalen, multisektoralen rechenbaren allgemeinen Gleichgewichtsmodellen (CGE‐Modelle) und hängt in entscheidendem Maße von den ihnen zu Grunde liegenden Daten und ihrer Qualität ab, insbesondere wenn Politiker in ihren konkreten Entscheidungen unterstützt werden sollen. CGE‐Modelle beruhen jedoch zumeist auf globalen ökonomischen Datenbanken, die oftmals zu wenige sektorale Details enthalten, um spezifische Klimapolitiken zu berücksichtigen. Beispielsweise können Umweltzölle nachteilige Auswirkungen auf energieintensive und handelsorientierte Sektoren haben, die dem Risiko der Auslagerung von Teilen der emissionsintensiven Branchen (Carbon Leakage) ausgesetzt sind. Die Datenbank GTAP 7.1, die als Grundlage des CGE‐Modells PACE (Policy Analysis based on Computable Equilibrium) dient, behandelt viele dieser Industrien als Teil größerer aggregierter Sektoren und könnte deshalb wichtige Informationen über die Heterogenität solcher Sektoren außer Acht lassen. In diesem Aufsatz verwenden wir das PACE‐Modell, um potentielle Vorzüge der Disaggregation ausgewählter Wirtschaftssektoren zu untersuchen. Wir erläutern die Verfügbarkeit entsprechender Datenquellen und methodische Fragestellungen und verwenden einen regional harmonisierten Datensatz, der aus Aufkommens‐ und Verwendungstabellen mit einer hohen sektoralen Auflösung besteht, um die Sektoren "Zement, Kalk und Gips", "Aluminiumprodukte" und "Herstellung von Eisen und Stahl" aus ihren jeweiligen aggregierten GTAP‐Sektoren herauszulösen. Am Beispiel von Umweltzöllen analysieren wir die Auswirkungen dieser Disaggregation auf subsektorale und makroökonomische Indikatoren. Vor dem Hintergrund potentiell unbeobachteter Heterogenität auf der subsektoralen Ebene ist es unser Hauptanliegen zu ermitteln, wie sensibel die Ergebnisse der CGE‐Simulationen auf Änderungen in der Parametrisierung der disaggregierten GTAP‐Sektoren reagieren. Aus diesem Grund führen wir Sensitivitätsanalysen durch, die Variationen in Handelselastizitäten, Energieintensitäten und Technologieannahmen erlauben. Unsere Resultate implizieren, dass durch eine zu breite sektorale Gliederung wichtige Einblicke über subsektorale Effekte verloren gehen können, was auf die Vorzüge der sektoralen Disaggregation hinweist. Bezüglich der Sensitivitätsanalyse zeigt unsere Studie, dass es große Schwankungen geben kann, wenn Armingtonelastizitäten und die Struktur der Produktionsfunktionen variiert werden. Die Auswirkungen der Disaggregation auf makroökonomische Indikatoren und Carbon Leakage sind jedoch im Vergleich zu subsektoralen Effekten weniger ausgeprägt. Folglich ist die Verwendung von Datenbanken mit einem höheren Aggregationsniveau ausreichend, wenn man lediglich an der Untersuchung makroökonomischer Effekte interessiert ist.

Schlagworte

Sectoral disaggregation, emissions trading, border adjustment, competitiveness, carbon leakage