Die Lohnungleichheit ist in vielen Industrieländern während der letzten Jahrzehnte angestiegen. Parallel zu diesem Trend hat die Tarifbindung in vielen Ländern stark abgenommen (OECD, 2004). Das geschlechtsspezifische Lohndifferenzial ist in den meisten Ländern zurückgegangen. Diese drei Entwicklungen wurden bisher nur selten im Zusammenhang analysiert. Deshalb untersucht diese Studie den Zusammenhang zwischen dem Anstieg der Lohnungleichheit zwischen 2001 und 2006, dem Rückgang der Tarifbindung, und der Entwicklung des geschlechtsspezifischen Lohndifferenzials auf Basis von verknüpften Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Daten. Unter Verwendung einer sequenziellen Zerlegungstechnik analysieren wir die Bedeutung von firmenspezifischen und persönlichen Merkmalen sowie der Tarifbindung für die Entwicklung der Lohnungleichheit. Wir untersuchen die folgenden Fragen: Was sind die Unterschiede im Anstieg der Lohnungleichheit nach Geschlechtern? Welchen Einfluss hat der Rückgang der Tarifbindung auf die Lohnverteilung? Hat die Lohnungleichheit innerhalb der verschiedenen Lohnverhandlungsregime zugenommen? Was ist der Einfluss von firmenspezifischen Variablen und persönlichen Merkmalen auf die Lohnungleichheit? Dies ist die erste Studie, die gleichzeitig die beiden Querschnitte der Gehalts- und Lohnstrukturerhebung 2001 und der Verdienststrukturerhebung 2006 für eine Analyse des Anstiegs der Lohnungleichheit verwendet. Wir schätzen Quantilsregressionen, um die geschlechtsspezifische Lohnentwicklung über die gesamte Lohnverteilung zu untersuchen. Auf Basis von Machado und Mata (2005) und Melly (2005) schlagen wir eine sequenzielle Zerlegung vor, die die beobachtete gemeinsame Verteilung der Kovariate berücksichtigt. Traditionell werden Löhne in Deutschland über Lohnverhandlungen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden auf der Branchenebene ("Flächentarifvertrag") bestimmt. Es gibt auch Lohnverhandlungen auf der Firmenebene ("Firmentarifvertrag" oder "Betriebsvereinbarung"), aber diese betreffen nur einen deutlich kleineren Teil der Beschäftigten und der Firmen. Die aktuellen Entwicklungen in Deutschland entsprechen dem internationalen Trend. Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Lohnungleichheit sowohl für Männer als auch für Frauen stark angestiegen ist. Dieser Anstieg speist sich sowohl aus den Reallohngewinnen im oberen Bereich der Lohnverteilung als auch aus den Reallohnverlusten unterhalb des Medians. Gleichzeitig finden wir einen starken R¨uckgang der Tarifbindung. Sowohl die Tarifbindung durch einen Flächentarifvertrag als auch die Tarifbindung durch einen Haustarifvertrag geht im Zeitverlauf zurück. Unsere sequenzielle Zerlegung zeigt, dass alle Arbeitsplatzeffekte (Firmeneffekte, Tarifbindung) einen Anteil am Anstieg der Lohnungleichheit haben. Der Rückgang der Tarifbindung trägt zu einem bedeutenden Teil zu dem Anstieg der Lohnungleichheit bei. Gleichzeitig steigt auch die Lohnungleichheit innerhalb der Lohnverhandlungsregime......

Antonczyk, Dirk , Bernd Fitzenberger und Katrin Sommerfeld (2010), Rising Wage Inequality, the Decline of Collective Bargaining, and the Gender Wage Gap, ZEW Discussion Paper No. 10-014, Mannheim. Download

Autoren

Antonczyk, Dirk
Fitzenberger, Bernd
Sommerfeld, Katrin

Schlagworte

Wage Distribution, Gender Wage Gap, Collective Bargaining, Quantile Regression, Sequential Decomposition