Im September 2016 konnte das Reallabor Asylsuchende im Rhein-Neckar-Kreis in zwei Gemeinschaftsunterkünften eine Befragung bei Geflüchteten durchführen. Insgesamt nahmen 370 Personen an der Befragung teil, darunter überwiegend junge Männer aus Afrika, Vorder- und Zentralasien. Die Befragung deckte ein breites Spektrum an Themen der Integration ab: Bildungshintergrund, Arbeitserfahrungen und derzeitige Arbeitsaktivitäten, soziale Netze und Aktionsräume in Deutschland, Dauer und Kosten der Flucht, Sprachkompetenzen und Gesundheitszustand. Die Ergebnisse aus Analysen verschiedener Teilstichproben zeigen einen nach Herkunftsregion unterschiedlichen Bildungshintergrund. Die Geflüchteten aus Vorderasien (Syrien, Türkei, u.a.) haben die meisten Bildungsjahre und auch die höchsten Bildungsabschlüsse. Viele Geflüchtete haben Schulden in der Größenordnung von mehreren Tausend Euro als Folge der Flucht. Rund drei Viertel der Befragten bezeichnen ihren Gesundheitszustand als subjektiv gut oder sehr gut, 12 Prozent der Befragten gehen (in teilweise wohl geringem Umfang) bezahlter Arbeit nach. Trotz der Schulden in Folge der Flucht ist die weit überwiegende Zahl der Befragten bereit in Deutschland eine Ausbildung zu absolvieren. Auch die subjektive Zukunftsperspektive der Befragten scheint durchweg positiv: rund 80 Prozent glauben, dass sie in den nächsten zwei Jahren einer bezahlten Arbeit in Deutschland nachgehen werden. Wichtige Teile der Integration finden im Alltag statt. Geflüchtete, die schon zu Besuch bei Deutschen gewesen sind, verfügen auch über bessere deutsche Sprachkenntnisse.

Deger, Petra, Monika Gonser, Michael Kolb, Svenja Kück, Martin Lange, Georg Mildenberger, Friedhelm Pfeiffer, Katrin Sommerfeld und Christina West (2017), Integrationspotenziale: Ausgewählte Ergebnisse der Reallabor-Befragungen unter Geflüchteten, ZEW, Mannheim. Download

Kategorie

Gutachten

Autoren

Deger, Petra
Gonser, Monika
Kolb, Michael
Kück, Svenja
Lange, Martin
Mildenberger, Georg
Pfeiffer, Friedhelm
Sommerfeld, Katrin
West, Christina

Schlagworte

Arbeitsmarkt, Bildung, Geflüchtete, Migration