Unvollkommenen Kapitalmärkte führen dazu, dass sich Unternehmen Einschränkungen bei der Finanzierung von Investitionsvorhaben gegenübersehen. Unzureichender Zugang zu Finanzierungsquellen kann insbesondere bei Investitionen in Innovationsprojekte eine Rolle spielen, da Innovationsprojekte im Allgemeinen durch einen hohen Grad an Unsicherheit, Komplexität und Spezifität gekennzeichnet sind. Die externe Finanzierung von Innovationsprojekten ist daher - sofern verfügbar - vergleichsweise teuer. Unternehmen sind bei der Finanzierung von Innovationsprojekten daher auf interne Mittel angewiesen, wenngleich diese ebenfalls nicht unbegrenzt zur Verfügung stehen. Theoretische Überlegungen zeigen, dass projekt- und unternehmensspezifische Faktoren Finanzierungsrestriktionen beeinflussen, sodass zu erwarten ist, dass nicht alle Unternehmen im gleichen Ausmaß davon betroffen sind. Die vorliegende Studie befasst sich mit der Identifizierung restringierter Firmen. Die Identifizierung ist für politische Entscheidungsträger von besonderem Interesse bei der Gestaltung effektiver Politikmaßnahmen zur Förderung von Innovationstätigkeiten. Im Gegensatz zur bisherigen Literatur basiert die vorliegende Studie auf der Idee eines von Hall (2008) vorgeschlagenen idealen Tests zur Identifizierung restringierter Unternehmen. Die Idee des Tests besteht darin, Unternehmen zusätzliche Mittel frei zur Verfügung zustellen. Werden die zusätzlichen Mittel für Innovationsprojekte anstelle von anderen Verwendungsmöglichkeiten (Rücklagen, Investitionen, Ausschüttung, Schuldenrückzahlung) eingesetzt, kann daraus der Rückschluss gezogen werden, dass das Unternehmen bisher aufgrund mangelnder Finanzierung Innovationsprojekte nicht durchführen konnte. Die vorliegende Studie leistet einen Beitrag zur bestehenden Literatur in dreierlei Hinsicht. Erstens verwenden wir einen neuen, direkten Indikator zur Identifizierung restringierter Unternehmen. Zweitens berücksichtigen wir in der Innovationsentscheidung alternative Verwendungsmöglichkeiten für zusätzliche liquide Mittel. Drittens führen wir das Konzept der Innovationskapazität in seiner Rolle für Finanzierungsrestriktionen ein. Die Ergebnisse der ökonometrischen Analyse zeigen, dass Finanzierungsrestriktionen nicht per se durch die Verfügbarkeit von finanziellen Mittel abhängen, sondern in entscheidenem Maße von der Innovationskapazität der Unternehmen beeinflusst werden. Unternehmen mit vergleichsweise hoher Innovationskapazität und geringen liquiden Mitteln sind zwar am wahrscheinlichsten von Finanzierungsrestriktionen betroffen, gleichwohl sind auch Unternehmen mit hoher Innovationskapazität und solidem finanziellen Hintergrund finanziell restringiert. Unternehmen mit geringer Innovationskapazität wählen dagegen andere Verwendungszwecke für die zusätzlichen liquiden Mittel, z.B. Investitionen in Sachkapital. Die Berücksichtigung aller Verwendungsalternativen zeigt darüber hinaus, dass die Entscheidung Schulden zurückzuzahlen vor allem von der eigenen finanziellen Ressourcenausstattung abhängt. Das bedeutet, dass Unternehmen mit geringen internen Mitteln oder einer niedrigen Kreditwürdigkeit die zusätzlichen Mittel zunächst zur Begleichung von Schulden einsetzen.

Hottenrott, Hanna und Bettina Peters (2009), Innovative Capability and Financing Constraints for Innovation More Money, More Innovation?, ZEW Discussion Paper No. 09-081, Mannheim, erschienen in: Review of Economics and Statistics. Download

Schlagworte

Innovation, financing constraints, innovative capability, multivariate probit models