Zur Entwicklung des Humankapitals ist eine langfristige Perspektive erforderlich. Bereits in der frühen Kindheit werden, überwiegend in der Familie, die Kapazitäten aufgebaut, die eine wichtige Voraussetzung für den Schul- und Arbeitsmarkterfolg schaffen. Weitere lebenslange Investitionen sind notwendig, um Fähigkeiten und Kompetenzen im Lebenszyklus zu entwickeln. Deren Ertrag ist umso höher, je günstiger die Voraussetzungen aus der Kindheit sind. Was folgt daraus für die Humankapitalentwicklung in Ostdeutschland? Nach dem Fall der Mauer sind viele, vorwiegend junge Menschen von Ost- nach Westdeutschland abgewandert, aus unterschiedlichen Motiven. Diese Art der Mobilität hat zu einer Zunahme des Humankapitals geführt, von der, falls es keine Rückwanderungsbewegungen geben sollte, Ostdeutschland bislang überwiegend indirekt in Form von Transferzahlungen profitiert hat. Jedoch ist es für eine Bilanz noch zu früh. Durch die bisherige Abwanderung könnte die Region an Attraktivität verlieren und so auch in Zukunft weniger Humankapital anziehen. Viele von denen, die Ostdeutschland verlassen haben, haben dies nicht ausschließlich aus ökonomischen Gründen getan. Noch sind nicht alle Wunden, die durch den Fall der Mauer aufgebrochen wurden, geheilt.

Pfeiffer, Friedhelm und Karsten Reuß (2008), Fähigkeiten und Mobilität – Ökonomische Konsequenzen für das Humankapital in Ostdeutschland, in: K. Friedrich und A. Schultz Brain drain oder brain circulation? Konsequenzen und Perspektiven der Ost-West-Migration, forum ifl, Bd. 8 43-50.

Schlagworte

Mobilität, Einigung, nichtkognitive Fähigkeiten, Lebenszyklus