Die vorliegende Studie liefert neue Evidenz zu Lohnprämien der Tarifbindung für Westdeutschland. Im Gegensatz zur bisherigen Literatur werden Längsschnittsdaten des LIAB für den Zeitraum 1995-2008 ausgenutzt, um zu überprüfen, inwiefern durch Tarifverträge hervorgerufene Lohndifferenziale eine Selektion von überdurchschnittlich produktiven Beschäftigten bzw. von Hochlohn-Unternehmen in die Tarifbindung widerspiegeln. Zur Identifikation des Effekts der Tarifbindung auf das Lohnniveau werden Wechselbetriebe identifiziert, die ihren Tarifbindungsstatus über die Zeit hinweg ändern. Durch den Vergleich von Lohnveränderungen von Beschäftigten in Wechselbetrieben mit denen von Beschäftigten in "stabilen" Betrieben wird zeitkonstanter unbeobachtbarer Heterogenität auf Individual- und Betriebsebene Rechnung getragen. Eine mögliche Verzerrung durch die Korrelation zeitvariierender Schocks mit den Regimewechseln wird durch Unterschiede im Lohnwachstum zwischen Wechselbetrieben und stabilen Betrieben in den Perioden vor den Regimewechseln abgeschätzt.

Die Analyse der separaten Übergänge zwischen den einzelnen Regimen zeigt, dass Beschäftigte in Betrieben, die die Flächentarifbindung verlassen, ein geringeres Lohnwachstum erfahren als Beschäftigte in stabilen Betrieben. Gerade für Betriebe, die sich vollständig der Tarifbindung entziehen, zeigt sich jedoch, dass das Lohnwachstum im Vergleich zu stabilen Betrieben bereits vor dem Wechsel einem ungünstigeren Trend unterlag. Die Bereinigung der geschätzten Lohnprämien um diesen Trendunterschied zeigt schließlich, dass sich insgesamt keine signifikanten Lohneffekte mehr nachweisen lassen.

Bei den Übergängen zu Haustarifverträgen deuten die Ergebnisse für Beschäftigte in Betrieben, die vorher keinem Tarifvertrag unterlagen, auf signifikante positive Lohnprämien hin, während ein Wechsel von Flächen- zu Haustarifverträgen mit negativen Lohnprämien verbunden ist. Diese Ergebnisse bleiben durch die Trendbereinigung erhalten. Letzteres Ergebnis deutet daraufhin, dass Wechsel von Flächen- zu Haustarifverträgen eher durch Arbeitgeber initiiert werden und widerspricht der üblichen Vorstellung, dass Gewerkschaften in vormals flächentarifgebundenen Betrieben Haustarifverträge dazu nutzen, um höhere Löhne durchzusetzen.

Schlagworte

Union Wage Premium, Collective Bargaining Coverage