Technologieintensive Unternehmensgründungen spielen eine wichtige Rolle für die Einführung von neuen Produkten und für die Verbreitung von Innovationen in der gesamten Wirtschaft. Sie liefern damit einen wichtigen Beitrag für das langfristige Wachstum. Damit ein Land sein langfristiges Wachstumspotenzial erreichen kann, ist es entscheidend, dass die Mitglieder aller Bevölkerungsgruppen an technologieintensiven Unternehmensgründungen beteiligt sind. In diesem Zusammenhang gibt das vorliegende Papier einen vergleichenden Überblick zu technologieintensiven Unternehmensgründungen von Unternehmern mit und ohne Migrationshintergrund. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Gründungseigenschaften, dem Überleben und der innovativen Leistung der Unternehmen. In vielen entwickelten Ländern gibt es größere Immigrantengruppen, deren Bildungsniveau unter dem der einheimischen Bevölkerung liegt. Diese Studie untersucht, inwiefern Immigranten aus den „Anwerbeländern“ Süd- und Südosteuropas zu technologieintensiven Unternehmensgründungen in Deutschland beitragen. Immigranten aus Anwerbeländern stellen mit 7% an der Gesamtbevölkerung die größte Zuwanderergruppe. Sie kamen nach Deutschland, um in einer abhängigen Beschäftigung in der Industrie zu arbeiten und hatten in der Regel ein relativ niedriges Bildungsniveau zum Zeitpunkt der Zuwanderung. Diese Studie verwendet Unternehmensdaten von Creditreform, Deutschlands größter Ratingagentur. Diese Daten wurden mit Informationen über Patentanmeldungen von dem Europäischen Patentamt zusammengeführt. Aufgrund einer von dem Marktforschungsunternehmen Acxiom durchgeführten Namenskodierung nach ethnischer Herkunft können einheimische Unternehmer und Unternehmer mit Migrationshintergrund aus Anwerbeländern unterschieden werden. Im Vergleich zu einheimischen Unternehmern haben Unternehmer mit Migrationshintergrund eine weniger als halb so hohe Wahrscheinlichkeit ein Unternehmen in einer wissensintensiven Branche zu gründen. Unternehmen, die ausschließlich von Unternehmern mit Migrationshintergrund geführt werden, sind bei Gründung kleiner als Unternehmen mit ausschließlich einheimischen Unternehmern. In der ersten Gruppe sind die Gründer zum Zeitpunkt der Gründung jünger und die Unternehmen weisen eine kürzere Überlebensdauer auf. Wird für die im Unternehmen zur Verfügung stehenden Ressourcen kontrolliert, gibt es in Bezug auf Patentanmeldungen keine Unterschiede zwischen beiden Gruppen. Die Zusammenarbeit von Unternehmern mit und ohne Migrationshintergrund scheint sich auszuzahlen. Unternehmen im gemeinsamen Besitz von Eigentümern mit und ohne Migrationshintergrund sind im Durchschnitt mindestens so groß wie Unternehmen ausschließlich im Besitz von einheimischen Eigentümern. Im verarbeitenden Gewerbe weisen beide Unternehmensgruppen vergleichbare Überlebenswahrscheinlichkeiten auf. Die geringere Beteiligung von Unternehmern mit Migrationshintergrund in wissensintensiven Branchen kann mit geringeren Bildungsniveaus erklärt werden. Damit Deutschland sein volles Innovationspotenzial erreichen kann, ist es wichtig, dass mehr Unternehmer mit Migrationshintergrund in wissensintensiven Branchen gründen. Die wichtigste Implikation für die Politik besteht daher in der Notwendigkeit das Bildungsniveau der Immigranten in der zweiten und dritten Generation zu erhöhen. Die kleinere Gründungsgröße von Unternehmen, die ausschließlich im Besitz von Immigranten sind, wirft die Frage auf, ob Unternehmer mit Migrationshintergrund besondere Probleme beim Zugang zu Kapital haben.

Schlagworte

immigrants, innovation, entrepreneurship, knowledge-intensive industries