In vielen Ländern spielt das Berufsausbildungssystem eine wichtige Rolle für den Übergang von Schulabgängern in den Arbeitsmarkt. Trotz der Bedeutsamkeit des Ausbildungsabschlusses sind Abbrüche häufig: in Deutschland brechen über 20 Prozent der Auszubildenden die Ausbildung vorzeitig ab. Frühe Abbrüche sind dabei vorherrschend - die Hälfte aller Abbrüche geschieht innerhalb des ersten Ausbildungsjahres, ein Drittel während der Probezeit.

Im Jahr 2008 hat die Deutsche Bundesregierung den Ausbildungsbonus eingeführt, um benachteiligte Jugendliche zu unterstützen. Der Ausbildungsbonus soll ihnen helfen, einen Ausbildungsplatz zu finden und einen Ausbildungsabschluss zu erlangen. Nur Jugendliche, die nach dem Schulabschluss mindestens ein Jahr lang erfolglos nach einem Ausbildungsplatz gesucht haben, können gefördert werden. Das Programm bietet eine Subvention von 4.000 bis 6.000 € für Unternehmen, die einem förderfähigen Jugendlichen einen Ausbildungsplatz anbieten. Die zweiteilige Subvention wird nach Abschluss der Probezeit und nach Bestehen der Abschlussprüfung ausgezahlt.

Die Subvention durch den Ausbildungsbonus verringert die Lohnkosten der geförderten Auszubildenden substanziell. Unternehmen können die Subvention mit den geförderten Auszubildenden teilen, indem sie ihnen höhere Löhne zahlen, oder indem sie einen nichtmonetären Transfer herstellen. Ein nichtmonetärer Transfer kann beispielsweise in besserer Beratung und Anleitung, mehr Geduld und Entgegenkommen, Ermunterung und Unterstützung gegenüber den geförderten Auszubildenden oder besseren Arbeitsbedingungen bestehen. Wenn die Subvention zwischen Unternehmen und geförderten Auszubildenden aufgeteilt wird, kann die Förderung durch den Ausbildungsbonus Ausbildungsabbrüche reduzieren.

Wir untersuchen, ob der Ausbildungsbonus Ausbildungsabbrüche bei benachteiligten Jugendliche reduziert. Um den Effekt des Programms zu identifizieren, vergleichen wir frühe Abbruchraten von Auszubildenden, die durch den Ausbildungsbonus gefördert werden, mit förderfähigen aber tatsächlich ungeförderten Auszubildenden. Wir verwenden detaillierte Daten mit umfassenden Informationen über beide Gruppen von Auszubildenden. Umfang und Qualität des Datensatzes rechtfertigen die Annahme, dass selektive Maßnahmenteilnahme in den Daten vollständig beobachtbar ist.

Unter Verwendung von Propensity Score Matching finden wir keinen signifikanten Effekt des Ausbildungsbonus auf monatliche Abbruchraten innerhalb der ersten 12 Monate der Ausbildung. Unsere Ergebnisse zeigen, dass eine subventionierte Berufsausbildung den Ausbildungsabbruch nicht beeinflusst. Jedoch passt das zeitliche Muster der Effekte auf die monatlichen Abbruchraten zur Anreizstruktur des Ausbildungsbonus. Die Punktschätzer sind in den ersten vier Monaten negativ, nach denen die erste Zahlung der Subvention erfolgt. Danach werden die Punktschätzer positiv. Dies legt die Vermutung nahe, dass der Ausbildungsbonus während der Probezeit im Ansatz einen dämpfenden Einfluss auf Ausbildungsabbrüche hat.

Schlagworte

Apprenticeship, vocational training, subsidized employment, dropout