Vertrauen ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Soziallebens. Jedoch ist Vertrauen kein essentieller Bestandteil in den Modellen eigennützigen Verhaltens, auf denen die moderne Wirtschaftstheorie aufbaut. In der vorliegenden Arbeit analysieren wir theoretisch und empirisch die Wirkung von Vertrauen auf ökonomische Tauschbeziehungen. Unser Beobachtungsobjekt sind die Tauschbeziehungen zwischen wichtigen Zulieferern in der Automobilindustrie und deren deutschen Käufern, den deutschen Automobilherstellern. Wir beginnen mit der Entwicklung eines einfachen Beschaffungsmodells in einer solchen Industrie. In dieser Industrie ist die Ausgangssituation durch starke Käufermacht charakterisiert. Unsere Vorstellung von Vertrauen nimmt auf diese Situation Bezug. Sie ist assoziiert mit dem Vertrauen des Zulieferers darin, dass er für seine beziehungsspezifische Investition in eine Produktentwicklung von diesem Käufer kompensiert wird. In unserem Modell zeigen wir, dass die beziehungsspezifische Investition mit diesem Vertrauen zunimmt. Während dieses Resultat in anderer Form aus der Literatur bekannt ist, zeigen wir im Gegensatz zu dieser Literatur, dass zunehmendes Vertrauen dieser Art es dem Käufer gestattet, den Beschaffungsprozess kompetitiver zu organisieren. Denn nur dadurch kann er aus dem Beschaffungsprozess eine höhere Rente extrahieren. Unsere empirische Untersuchung basiert auf einer Studie für den Verband der Automobilindustrie (VDA), innerhalb derer wir eine umfangreiche Befragung von Zulieferern und Automobilherstellern über ihre Beziehungen vornahmen. Wie gesagt ist die Idee, dass zunehmendes Vertrauen die Anreize des Lieferanten zur Vornahme käufer-spezifischer Investitionen verbessern, aus der theoretischen Literatur bekannt. Wir weisen jedoch erstmalig diese These empirisch nach: Im betrachteten Zusammenhang führt zunehmendes Vertrauen in den Hersteller in erhöhte Investitionen, die sich in einer signifikant abnehmenden Fehlerquote im betrachteten Teil äußern. Insbesondere zeigen wir jedoch auch empirisch auf, dass, ausgelöst durch den Hersteller, zunehmendes Vertrauen des Zulieferers in den Hersteller mit intensiverem Wettbewerb im Beschaffungsprozess assoziiert ist.

Felli, Leonardo, Johannes Koenen und Konrad Stahl (2011), Competition and Trust: Evidence from German Car Manufacturers, ZEW Discussion Paper No. 11-072, Mannheim. Download

Autoren

Felli, Leonardo
Koenen, Johannes
Stahl, Konrad

Schlagworte

Trust, Hold-up problem, Competition, Specific investment, Suppliers, Car manufacturers, German automotive industry