Die vorliegende Studie untersucht den Zusammenhang zwischen der Mobilität von Mitarbeitern im Bereich von Forschung und Entwicklung (FuE) und dem Innovationserfolg deutscher Unternehmen. Durch die Einstellung neuer FuE-Mitarbeiter können Firmen neues externes Wissen akquirieren und damit ihre Chancen auf die erfolgreiche Einführung neuer Produkte und Produktionsprozesse erhöhen. Umgekehrt besteht die Gefahr, dass im Unternehmen vorhandenes Wissen verloren geht, wenn FuE-Mitarbeiter ausscheiden. Sofern die Unternehmen die Forschungsergebnisse ihrer Mitarbeiter jedoch auch nach deren Ausscheiden noch anwenden können, sollte die Fluktuation unter FuE-Beschäftigten insgesamt zu einem Zufluss an Wissen führen und damit Innovationen stimulieren, wie das theoretisches Modell von Cooper (2001) zeigt. Darüber hinaus ist auf Basis von Matching-Theorien (Jovanovic, 1979) zu erwarten, dass ein gewisses Maß an Fluktuation dafür sorgt, dass Mitarbeiter-Matches von schlechter Qualität aufgelöst und neue, bessere Matches eingegangen werden. Um im Rahmen unserer Analysen den Effekt eines Nettozuwachses oder Nettoverlusts von FuE-Mitarbeitern von dem Effekt einer Auswechslung von FuE-Mitarbeitern auf die Innovationstätigkeit von Unternehmen zu trennen, greifen wir auf ein Maß zurück, das bisher nur in arbeitsmarktökonomischen Studien verwendet wurde, das Churning von Mitarbeitern. Dieses Maß bildet die Anzahl von Mitarbeitern ab, die durch andere, neue Mitarbeiter ersetzt wurden, d.h. dieses Maß ist beschäftigungsneutral. Weiterhin unterscheiden wir zwischen verschiedenen Innovationsarten. Wir trennen zum einen zwischen Produkt- und Prozessinnovationen und zum anderen zwischen Markt- und Sortimentsneuheiten. Mit Hilfe bivariater Probitmodelle schätzen wir vier Wissensproduktionsfunktionen und können zeigen, dass für alle vier Innovationsarten ein umgekehrt u-förmiger Verlauf zwischen der Mobilität von FuE-Mitarbeitern und dem Innovationserfolg besteht. Dies bedeutet, dass die Fluktuation das Innovationsergebnis bis zu einem gewissen Schwellenwert steigert. Dieser Schwellwert variiert je nach Art der Innovation. So dreht sich der Effekt im Falle von Prozessinnovationen wesentlich früher ins Negative (bei einer Churningrate von 30 v.H.) als im Falle von Produktinnovationen (65 v.H.). Daraus lässt sich schlussfolgern, dass die Entwicklung neuer Prozesse mehr firmenspezifisches Wissen erfordert als die Entwicklung neuer Produkte. Unsere Ergebnisse zeigen ferner, dass die Mobilität von FuE-Beschäftigten insbesondere die Wahrscheinlichkeit für Produktinnovationen erhöht, die eine Erweiterung ihres bisherigen Produktsortiments darstellen. Die mit der Mobilität von FuE-Mitarbeitern einhergehenden positiven Innovationswirkungen sind darüber hinaus abhängig von der Art des im Zuge der FuE-Tätigkeit geschaffenen Wissens. Besteht Rivalität in der Nutzung des Wissens verringern sich die positiven Effekte durch die Fluktuation.

Schopen, Kathrin und Bettina Peters (2010), Churning of R&D Personnel and Innovation, ZEW Discussion Paper No. 10-032, Mannheim. Download