Die rechtsökonomische Forschung hat sich im Bezug auf die Setzung von Kampfpreisen in der Vergangenheit auf insbesondere zwei Schwerpunkte konzentriert. Auf der einen Seite fand eine lebhafte Diskussion der Fragestellung statt, ob Kampfpreissetzung überhaupt eine rationale Strategie für ein alteingesessenes Unternehmen sein kann, das sich einem Markteintritt eines anderen Unternehmens ausgesetzt sieht. Auf der anderen Seite hat sich die Forschung auf die Frage konzentriert, wie eine Wettbewerbsbehörde den Begriff der Kampfpreissetzung definieren sollte und wie sie entsprechende Verstöße aufdecken kann. Im Vergleich zu anderen Bereichen der Wettbewerbspolitik wie der Kartellverfolgung oder der Fusionskontrolle erfolgte jedoch keine detaillierte Untersuchung der Frage, wie eine Wettbewerbsbehörde auf die Feststellung eines kampfpreissetzenden Unternehmens sanktionsseitig reagieren sollte. Die Beantwortung dieser Frage geht von einer ökonomisch korrekten Aufdeckung von Kampfpreisstrategien aus und untersucht komplementär dazu, wie solche Regeln verbunden werden sollten mit der Verhängung von Geldstrafen oder verhaltensbezogenen Auflagen.

Vor diesem Hintergrund verfolgt das vorliegende Papier das Ziel, ein Untersuchungsschema zur Verfolgung von Kampfpreisstrategien zu entwickeln, das explizit die Stufe der wettbewerbspolitischen Sanktionen bzw. Eingriffe mit einbezieht. Um dieses Ziel zu erreichen, erfolgt zunächst eine grundlegende Charakterisierung von Kampfpreisstrategien, gefolgt von einer Betrachtung der Wohlfahrtseffekte solcher Strategien. Basierend auf der Feststellung, dass Kampfpreissetzung eine durchaus rationale Strategie von alteingesessenen Unternehmen darstellen kann, werden Möglichkeiten der Aufdeckung von Kampfpreissetzungen zusammenfassend dargestellt. Die darauf aufbauende Analyse der Eingriffsmöglichkeiten einer Wettbewerbsbehörde differenziert dann zwischen einem Ansatz ohne jedweden Eingriff, einem ex post Ansatz und einem ex ante Ansatz. Es wird gezeigt, dass kein Ansatz insofern dominant ist, als er immer zu einer wohlfahrtsoptimalen Lösung führt, sondern dass die optimale wettbewerbspolitische Vorgehensweise abhängt von verschiedenen Industrie- bzw. Markteigenschaften wie der Größe des Vorsprungs alteingesessener Unternehmen, dem gesellschaftlichen Nutzen des Markteintritts eines Wettbewerbers sowie der Stärke und Bedeutung der Wettbewerbsbehörde in der entsprechenden Jurisdiktion. Alle diese Erkenntnisse fließen dann ein in die Ableitung des Untersuchungsschemas für die Behandlung von Kampfpreisstrategien welches das zentrale Ziel verfolgt, die Glaubwürdigkeit der Verfolgung von Kampfpreisstrategien zu erhöhen ohne gleichzeitig die Anreize für wettbewerbsrechtlich unbedenkliche Preissenkungen negativ zu beeinflussen.

Hüschelrath, Kai und Jürgen Weigand (2009), A Framework to Enforce Anti-Predation Rules, ZEW Discussion Paper No. 09-085, Mannheim, erschienen in: World Competition Law and Economics Review. Download

Autoren

Hüschelrath, Kai
Weigand, Jürgen

Schlagworte

Competition policy, monopolisation, predation, enforcement, sanctions, screening