Das wesentliche Ziel dieses Projekts war es, ein umfassendes Bild über die Ursachen und Wirkungen der Inanspruchnahme IT-bezogener Beratungsdienstleistungen zu zeichnen. In drei Modulen untersuchte das interdisziplinäre Projekt soziologische, organisationstheoretische und wirtschaftswissenschaftliche Aspekte der Beratungsprozesse in drei sich ergänzenden methodischen Ansätzen.

Mit Hilfe einer komparativen Inhaltsanalyse von Medienprodukten sowie Experteninterviews wurde analysiert, wie innovative Konzepte der IT-Nutzung entstehen, sich im Zeitablauf verändern und welche Rolle Berater im komplexen Zusammenspiel des Wissens verschiedener Akteure spielen. Dieser wissenssoziologische Teil des Projekts verbindet Diskursanalyse mit der Analyse von Netzwerken und soll den kognitiven und normativen Rahmen erfassen, in den Beratertätigkeit und Managerentscheidungen eingebettet sind.

Im organisationstheoretischen Teil des Projekts wurde untersucht, inwieweit IT- und Organisationsberatung zu einer Stärkung der Innovationsfähigkeit der Unternehmen beiträgt und inwiefern andere latente Funktionen mit dem Einsatz von Beratern verbunden sind. Dieser Teil der Untersuchung stützte sich vor allem auf Fallstudien und teilstrukturierte Interviews mit am Beratungsprozess beteiligten Personen in Unternehmen.

Ein quantitativ-ökonomischer Ansatz untersuchte auf Grundlage einer repräsentativen Befragung von rund 4.400 Unternehmen in Deutschland zunächst die Determinanten einer Inanspruchnahme von IT-Beratung. Des Weiteren wurde der Zusammenhang zwischen IT-Beratung und Unternehmensperformance analysiert. Letztere wurde sowohl durch die Arbeitsproduktivität als auch durch verschiedene Maße der Innovationstätigkeit gemessen. Die Anwendung geeigneter ökonometrischer Verfahren ermöglichte die Identifikation kausaler Effekte der Beratung, wobei eine Vielzahl beeinflussender Faktoren berücksichtigt wurden, wie z.B. Firmengröße, Humankapital, IT-Intensität und Branchenzugehörigkeit.

Durch die Verwendung unterschiedlicher Erklärungsansätze und unterschiedlicher empirischer Methoden konnten neue Erkenntnisse über die qualitative und quantitative Bedeutung von Beratungsdienstleistungen im Innovationssystem sowie im Transformationsprozess hin zu einer informations- und wissensbasierten Wirtschaft und Gesellschaft gewonnen werden.

Einige - zum Teil überraschende - Erkenntnisse wurden durch Ergebnisse aus allen drei Projektmodulen unterstützt. So zeigt sich, dass der IT-Berater im Wesentlichen wegen seines technischen Know-hows nachgefragt wird und seine Bedeutung für den Innovationsprozess der Unternehmen letztlich geringer ist als dies zu Beginn des Projekts erwartet wurde. Auch für das Setzen neuer IT-Trends sind eher die Softwarehersteller selbst verantwortlich als die IT-Berater.

Das vom ZEW bearbeitete quantitativ-ökonomische Modul ergab des Weiteren folgende Ergebnisse:

Zu den Determinanten der Nachfrage nach IT-Beratung:

Eine ökonometrische Analyse der Bestimmungsfaktoren der Nachfrage nach Beratung zeigt, dass für die Inanspruchnahme externer IT-Beratung die Rolle des Beraters als Wissensvermittler im Vordergrund steht. Insbesondere erklären die IT-Intensität und die Nutzung komplexer Software sowie vergangene IT-basierte und beratungsintensive Ereignisse die Inanspruchnahme von IT-Beratung. Letzteres Ergebnis deutet darauf hin, dass Berater zur Nachfrageschaffung nach Beratungsdienstleistungen beitragen. Die Legitimationsfunktion kommt bei Aktiengesellschaften zum Tragen. Ein weiterer entscheidender Faktor ist die Unternehmensgröße, je größer ein Unternehmen umso eher nimmt es Beratung in Anspruch. Einerseits haben größere Unternehmen mehr Beratungsbedarf, da ihre Geschäftsprozesse und die damit verbundenen IT-Anwendungen komplexer sind. Andererseits verfügen größere Unternehmen unter Umständen auch eher über die finanziellen Mittel für eine Beratung.

Zur Bedeutung von IT-Beratung für die Produktivität und Innovationsfähigkeit von Unternehmen:

Die Ergebnisse zeigen, dass IT-Beratung die Arbeitsproduktivität von Unternehmen positiv beeinflusst. Dies dürfte mittels effizienterer Gestaltung von (IT-basierten) Geschäftsprozessen geschehen. Jedoch zeigt sich kein signifikanter Effekt für die Innovationswahrscheinlichkeit, die Anzahl eingeführter Produkt- und Prozessinnovationen sowie die F&E-Ausgaben. Etwas unerwartet scheint zunächst der negative Effekt der IT-Beratung, der sich ergibt, wenn als Performancemaß der Unternehmen der Wert der eingeführten Innovation verwendet wird.

Für diese Ergebnisse gibt es verschiedene Erklärungsansätze: Einerseits bestätigt es das zuvor gefundene deskriptive Ergebnis, dass Unternehmen die IT-Beratung vor allem für die Gewinnung von technologischem Know-how und für die konkrete Implementierung von IT in Anspruch nehmen, und dass Beratung deutlich seltener hinsichtlich der organisatorischen Strukturen und Prozessabläufe oder hinsichtlich neuer oder merklich verbesserter Produkte und Dienstleistungen stattfindet. Dies ist wiederum konsistent mit den Fallstudienergebnissen aus Modul B, wonach Unternehmen auf radikale umfassende Lösungen verzichten, um die Organisation nicht zu überfordern. Somit bleiben evtl. risikobehaftete Innovationen eher aus.

Weitere Schätzungen zeigen, dass dieser negative Effekt der IT-Beratung für den Wert der Innovation dominiert wird von Unternehmen, die klein sind und die sich durch eine relativ geringe Produktivität auszeichnen.

Ausgewählte Publikationen

Beiträge in referierten Fachzeitschriften

Bertschek, Irene (2011), Wissensvermittlung versus Legitimationsfunktion - Warum engagieren Unternehmen IT-Berater?, Zeitschrift für Betriebswirtschaft Volume 81, Number 12, 1379 - 1399. Download

Discussion Papers und Working Papers

Cerquera, Daniel (2008), ICT, Consulting and Innovative Capabilities, ZEW Discussion Paper No. 08-127, Mannheim. Download

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