Spätestens der Hype um die „New Economy“ hat deutlich gemacht, welche umfassenden Hoffnungen mit der weiteren Diffusion der Informationstechnologie im Hinblick auf Wachstum, Produktivität und die Schaffung von Arbeitsplätzen verknüpft sind. Die Informationstechnologie sollte diesen Hoffnungen zufolge in vergleichsweise kurzer Zeit die Bedingungen für das Handeln von Unternehmen und Konsumenten revolutionär verändern. Mit dem Ende des „New Economy Booms“ sind diese Einschätzungen einer pessimistischeren Perspektive gewichen. Viele Aspekte der Informationstechnologie werden heute kaum noch thematisiert und sind ebenso wie viele hochgejubelte Anwendungspotenziale aus der Diskussion verschwunden. Eine empirische Betrachtung auf der Mikroebene der Unternehmen oder einzelner Technologien aus dem Konglomerat Informationstechnologie kann daher helfen, eine realistische Perspektive von den Auswirkungen der Diffusion der Informationstechnologie auf die Unternehmen zu zeichnen. Deshalb widmete sich dieses Projekt zwei Aspekten der Informationstechnologie in besonderer Weise. Zum einen wird die PC-Technologie und der Markt für PCs näher beleuchtet. Zum anderen werden die Diffusion und die Auswirkungen der Internet-Technologie untersucht. Dies sind die in den letzten Jahren am häufigsten diskutierten Teilkomplexe der Informationstechnologie. Ein aus ökonomische Sicht zentraler Effekt der Diffusion der PC-Technologie ist unmittelbar verknüpft mit der Preisentwicklung für diese Technik. Aufgrund der raschen technologischen Entwicklung wurde die Qualität beständig und in erheblichem Unfang verbessert. Der aufgezeigte rapide Verfall der qualitätsbereinigten Preise kann als eine wesentliche Triebfeder für den Siegeszug der PC-Technologie und deren weite Verbreitung über alle Unternehmen und betriebliche Funktionsbereiche hinweg interpretiert werden. Der rapide Preisverfall ist aber auch ein Beleg für die hohe Wettbewerbsintensität im PC-Markt. Angesichts der hohen Wettbewerbsintensität im PC-Markt stellt sich natürlich die Frage, wieso nahezu alle führenden Unternehmen der Informationstechnik sich in diesem Markt engagiert haben und sich nicht schon vor dem Ende des „New Economy Booms“ Unternehmen massiv aus diesem Markt zurückgezogen haben. Unmittelbar damit verknüpft ist die Frage nach den Innovationsanreizen in diesem Markt bzw. auf den Märkten für die wesentlichen Vorprodukte für PC. Daher wurde für die Jahre 1995-99 der Markt für PC in Deutschland mit Hilfe eines empirischen Modells für Märkte mit vertikaler Produktdifferenzierung betrachtet. Als wesentliche Differenzierungsmerkmale wurden dabei der Novitätsgrad der jeweils in den einzelnen PC-Modellen inkorporierten Technologie und die Reputation des Herstellers (Noname vs. Marken-PC) untersucht. Festgestellt wurden im Rahmen dieses Modells erhebliche Innovatorenrenten für die jeweils neueste Technologie. Diese Renten sind jedoch nur von kurzer Dauer und müssen durch beständige technologische Verbesserungen jeweils neu aufgebaut werden. Produktdifferenzierungsvorteile durch die Reputation der Hersteller lassen sich jedoch kaum ausmachen. In dieser Funktionsweise des PC-Marktes dürfte denn auch eine wesentliche Triebfeder für die hohe technologische Dynamik in der Informationstechnologie zu suchen sein. Die Ergebnisse des Projektes zeigen, dass die Unternehmen sehr unterschiedliche IT-Technologien einsetzen, und sich die Unternehmen daher nicht nur im Hinblick auf den Zeitpunkt der Adoption und der Intensität des Einsatzes der Informationstechnologie unterscheiden. Während manche Technologien primär langfristig über Reputationseffekte zu Umsatzerhöhungen führen sollten, sind andere unmittelbar mit Kosteneinsparungen verknüpft. Wie oben bereits angedeutet, zeigt sich eher die spezifische Ausgestaltung des Bündels der angewendeten Informationstechnologien als die absolute Höhe der Investitionen in Informationstechnik als relevant für die verschiedenen Zieldimensionen (Kostensenkung, Umsatzsteigerung, Gewinnung neuer Kunden) des Unternehmens. Die Verbreitung des Internets bei deutschen Unternehmen zeigt eine extreme hohe Dynamik über alle Unternehmensgrößenklassen, Regionen und Wirtschaftszweige hinweg. Trotzdem lassen sich einige Determinanten der Adoptionsgeschwindigkeit herausarbeiten. Deutlich wird, dass das regionale Umfeld eine wichtige Determinante der Adoption neuer Technologien darstellt. So verfügen Regionen mit einer hohen Ausstattung an wissenschaftlich-technischer Infrastruktur (Hochschulen, FuE-Einrichtungen) über eine höhere Adoptionsgeschwindigkeit, d.h. die einzelnen Unternehmen profitieren von ihrem regionalem Umfeld. Als unternehmensspezifische Determinanten der Adoption wurden das Alter, Größe und die Branche der Unternehmen ausgemacht. Dabei zeigen sich nicht nur branchen- und größenklassenspezifische Muster, sondern es zeigen sich deutliche Größenklassenunterschiede auch innerhalb einzelner Industrien. Bemerkenswert ist hier beispielsweise die schnelle Diffusion des Internets bei großen Einzelhändlern während kleine Einzelhändler das Internet nur mit erheblicher Verzögerung zu nutzen beginnen. Die Muster der Diffusion des Internets hinsichtlich der erstmaligen Anwendung im Unternehmen wiederholen sich im weiteren Verlauf der innerbetrieblichen Diffusion des Interneteinsatzes. Frühe Übernehmer zeigen auch eine deutlich höhere Nutzungsintensität des Internets. Die Diffusions- und Anwendungsmuster des Internets machen aber auch deutlich, dass die Mehrzahl der Unternehmen bislang die für den profitablen Einsatz einer GPT notwendigen komplementären organisatorischen Innovationen nicht vollzogen haben. Das Internet wird in aller Regel lediglich als zusätzlicher Informations- und Kommunikationskanal eingesetzt und damit die technologischen Möglichkeiten noch wenig ausgenutzt. Deshalb ist es auch nicht überraschend, dass unsere Analyse der Rentabilität des Internets nur in spezifischen Anwendungszusammenhängen eine schon erreichte oder in Kürze erreichbare Rentabilität der Investitionen in diese Technologie ergab. Die Internettechnologie unterscheidet sich damit nicht mehr grundsätzlich von bisherigen General Purpose Technologien wie dem Elektromotor oder der Dampfmaschine. Die eigentlichen Wirkungen auf die Produktivität und die Profitabilität von Unternehmen werden sich erst nach einiger Zeit einstellen, nämlich dann, wenn auch die komplementären Innovationen in die Unternehmen Eingang gefunden haben.

Ausgewählte Publikationen

Discussion Papers und Working Papers

Zuwendungsgeber

Deutsche Forschungsgemeinschaft, Bonn, DE

Projektzeitraum

01.02.1999 - 31.08.2001

Kontakt
Projektteam

Dr. Georg Licht (Leitung)
Dietmar Moch

Kooperationspartner

Prof. Dietmar Harhoff, Ph. D., Institut für Innovationsforschung und Technologiemanagement (INNO-tec), Ludwig-Maximilians-Universität München, München, DE
Prof. Konrad Stahl, Ph.D., Universität Mannheim, Mannheim, DE
International Data Corporation Deutschland GmbH, Frankfurt am Main, DE
Prof. Erik Brynjolfsson, Stanford University, Stanford, CA, USA, Massachusetts Institute of Technology (MIT), Cambridge, MA, USA