Aktuelle Literatur legt die Besteuerung von unterschiedlichen Steuerzahlertypen mithilfe unterschiedlicher Steuersätze nahe. Dieser Ansatz des sog. taggings basiert auf zwei Bedingungen: (i) Die Eigenschaften der betrachteten Steuerzahler müssen in einem gewissen Maße beobachtbar und unveränderlich sein. (ii) Die unterschiedlichen Typen müssen in ihrer Reaktionsfähigkeit in Bezug auf Steuern variieren, sodass der Staat sich dieses Gefälle hinsichtlich der Effizienzkosten von Besteuerung zu Nutze machen kann; zudem kann sich die Bedeutung der Typen hinsichtlich der Wohlfahrt unterscheiden, sodass Umverteilung zwischen Gruppen wünschenswert ist. In dieser Studie leiten wir ein Modell her, in dem die Regierung unterschiedliche Einkommensquellen mit separaten Steuerplänen versieht; eine Simulation erfolgt für den Fall von Deutschland. Angesichts der Voraussetzung von sog. tagging erscheint dieser Ansatz vielversprechend zu sein. Zuallererst ist festzuhalten, dass die Einkommensquelle für den Staat einfach zu beobachten ist. In den meisten Steuersystemen müssen Steuerzahler das angegebene Einkommen verschiedenen Kategorien zuordnen, wenn sie ihre Steuererklärung erstellen (z.B. Löhne und Gehälter, Kapitaleinkommen). Des Weiteren ist es eine ausreichend belegte Erkenntnis, dass die Reaktionsfähigkeit des erklärten Einkommens in Bezug auf Steuern stark zwischen verschiedenen Einkommenstypen variiert. Im Besonderen haben Selbstständige eine höhere Elastizität bezüglich der Nachsteuerrate als Empfänger von Löhnen (Saez 2010; Kleven and Schultz 2013), was darauf hinweist, dass die Effizienzkosten der Besteuerung bei den Selbstständigen stärker ins Gewicht fallen. Drittens ist anzumerken, dass die Verteilung der verschiedenen Einkommensquellen entlang des Niveaus des zu versteuernden Einkommens variiert. Während am unteren Ende der Einkommensverteilung Lohneinkommen die dominierende Einkommensquelle darstellt, wird mit zunehmendem Niveau des zu versteuernden Einkommens das Einkommen aus selbstständiger Tätigkeit zusehends bedeutsamer.