ZEW Discussion Papers
The Behavioralist Goes to School: Leveraging Behavioral Economics to Improve Educational Performance
Levitt, Steven D., John A. List, Susanne Neckermann und Sally Sadoff (2012), The Behavioralist Goes to School: Leveraging Behavioral Economics to Improve Educational Performance, ZEW Discussion Paper No. 12-038, Mannheim. Download
Die Verhaltensökonomie hat in den vergangenen Jahren bemerkenswerte Erkenntnisse
hervorgebracht, die vielfach in Kontrast zu den klassischen Verhaltensannahmen der
Wirtschaftswissenschaften stehen. So haben Experimente – sowohl im Labor als auch im
Feld – gezeigt, dass es nicht adäquat ist, dieses Handeln mit den üblichen (neo-)klassischen
Ansätzen einer simplen Nutzenmaximierung zu beschreiben. Beachtenswerte Erkenntnisse
im Hinblick auf die Anreize und Motivation menschlichen Handelns sind unter anderem, dass
Menschen die Gegenwart stärker als die Zukunft gewichten und mehr unter Verlusten
leiden, als sie sich über Gewinne gleicher Größe freuen. Weiterhin haben Menschen
offenbar eine deutliche Abneigung gegenüber Ungleichheit, verschenken Geld an Fremde
und lassen sich durch nicht monetäre Anreize motivieren.
Ein ökonomisch wichtiges Handlungs(um)feld wurde von der Verhaltensökonomie bislang
jedoch kaum untersucht: es gibt bislang so gut wie keine Studien über wirksame Anreize und
Motivationsstrategien im Bildungssystem und den darin lernenden Schülern. Die vorliegende
Studie füllt diese Lücke.
Mit etwa 6500 Grundschülern und Schülern weiterführender Schulen aus Chicago wurden
verschiedene Feldexperimente durchgeführt, um Verhaltensprinzipien dieser speziellen
Bevölkerungsgruppe nachzugehen. Die Schüler wurden dabei unmittelbar vor einem
standardisierten, computerbasierten Test, an dem sie drei Mal jährlich teilnehmen, mit
individuell verschiedenen Leistungsanreizen konfrontiert. Die gesetzten Anreize, sich
gegenüber den bisherigen eigenen Testergebnissen zu verbessern, waren monetärer oder
auch nicht monetärer Natur. Weiterhin wurden die Belohnungen entweder direkt oder mit
einer einmonatigen Verspätung ausgegeben. Schließlich wurden einige der Anreize in Form
von Verlusten gestaltet. Dabei erhielten die Schüler zwar im Voraus eine Belohnung, jedoch
verbunden mit der Information, dass diese wieder weggenommen werde, sofern sich ihre
Leistung nicht verbessere.
Die im Feld beobachteten Leistungsveränderungen zeigen, dass Anreize auch für Schüler von
Bedeutung sind. Monetäre Anreize sind leistungsfördernd, sofern sie groß genug sind.
Zudem stellen wir bei jüngeren Schülern fest, dass Belohnungen nicht monetärer Art – in
unserem Fall Pokale – einen bedeutend größeren Effekt haben als Zahlungen von entweder
10$ oder 20$. Darüber hinaus sind nur unmittelbare Anreize wirksam. Bereits eine
Verzögerung der Belohnung um einen Monat führt zu keiner Motivationssteigerung.
Die Ergebnisse entkräftigen die häufig geäußerte Befürchtung, wonach monetäre Anreize die
Motivation von Kindern senken, sobald keine Belohnung mehr in Aussicht steht. Außerdem
scheinen im heutigen Bildungssystem angesichts der Tatsache, dass die größten
Bildungserträge erst mit einer Verspätung von Monaten (oder gar Jahren) anfallen, adäquate
Anreizsysteme, die effektiv zu besseren Leistungen anregen können, bislang zu fehlen.
Keywords: Educational economics, behavioral economics, field experiment