Die Türkei und Russland bieten Familienunternehmen die attraktivsten Standortbedingungen unter den wichtigsten Schwellenländern. Angesichts der rechtsstaatlichen Entwicklung in beiden Ländern holt China allerdings auf, danach folgen Mexiko, Indien und Brasilien. Stabile politische Verhältnisse und sichere institutionelle Rahmenbedingungen erweisen sich als entscheidende Faktoren für die Standortwahl von international tätigen Familienunternehmen. Zu diesen zentralen Ergebnissen kommt die Studie „Länderindex Familienunternehmen – Standortfaktoren in Emerging Markets“, die das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim, erstmals im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen erstellt hat.

China kann mit einem stabileren politisch-institutionellen Umfeld als die Türkei und Russland punkten.
China kann mit einem stabileren politisch-institutionellen Umfeld als die Türkei und Russland punkten.

Für den Länderindex „Emerging Markets“ wurden die Kriterien Steuern, Arbeit, Regulierung, Finanzierung, Infrastruktur und Institutionen untersucht. Demnach bieten die Türkei und Russland Familienunternehmen vergleichsweise hervorragende steuerliche Rahmenbedingungen. Der Regulierungsdruck auf die Wirtschaft ist gering, die Infrastruktur ist im Vergleich zu anderen Schwellenländern gut entwickelt und Arbeitskräfte sind verhältnismäßig gut ausgebildet. Was den Schutz der Eigentumsrechte sowie die Unabhängigkeit und Effizienz des Rechtssystems betrifft, gibt es allerdings Defizite.

Beim Schutz von Eigentumsrechten liegt Russland nach der Türkei auf dem letzten Platz der untersuchten Schwellenländer. Zudem schlagen die mit Kriminalität und Terrorismus verbundenen Kosten zu Buche: In der Unterkategorie „Kriminalität und politische Stabilität" schneiden Russland (Platz fünf) und die Türkei (Platz sechs) vergleichsweise schlecht ab.

Asiatische Staaten im Aufwind

Hingegen kann China bei Investoren mit einem stabileren politisch-institutionellen Umfeld als die Türkei und Russland punkten. Verträge können im Reich der Mitte relativ schnell und effizient vor Gericht durchgesetzt werden. Vor allem müssen Unternehmen vergleichsweise geringe Kosten im Zusammenhang mit Kriminalität und Terrorismus tragen. Negativ werden allerdings die mangelhaften Datennetze in China bewertet sowie der niedrige Bildungsstand und der damit einhergehende Mangel an Fachkräften. Sorgen bereitet zudem die hohe private Verschuldung.

Die Studienautoren erwarten, dass asiatische Staaten wie China aber auch Indien dichter zur Spitzengruppe im Ranking aufrücken werden. „Die asiatischen Staaten befinden sich im Aufwärtstrend, sie bieten ein stabiles politisches Umfeld und sind bereit und im Fall Chinas auch in der Lage, mit Investitionen in Bildung und Infrastruktur ihre Defizite anzugehen", sagt Prof. Dr. Friedrich Heinemann, Leiter des ZEW-Forschungsbereichs „Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft“ sowie Projektleiter der Studie.

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