Der Missbrauch von Marktmacht, Absprachen und Fusionen

Konferenzen

MaCCI-Jahreskonferenz 2024

Am 14. und 15. März 2024 veranstaltete das Mannheim Centre for Competition and Innovation (MaCCI) am ZEW Mannheim mit etwa 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmern seine dreizehnte Jahreskonferenz. Auf dem diesjährigen Konferenzprogramm standen zwei Keynotes, vier eingeladene Sitzungen und rund 70 Präsentationen in Contributed Sessions.

Bereits am ersten Konferenztag fand eine Vielzahl von parallelen Sessions zu den Themen Regulierung von digitalen Plattformen, Marktmacht und Wettbewerb statt. Besonders bemerkenswert waren die Sitzungen mit Beiträgen aus den Rechts- und Wirtschaftswissenschaften sowie die Vielfalt der vorgestellten theoretischen und empirischen Methoden. Zu den Höhepunkten des ersten Tages gehörte eine von der Generaldirektion Wettbewerb der Europäischen Kommission organisierte Sitzung zur Wettbewerbspolitik.

Eine kritische Untersuchung zum „Missbrauch im EU-Wettbewerbsrecht“

Pinar Akman (University of Leeds) über „Missbrauch” im EU-Wettbewerbsrecht.

Der Hauptvortrag des ersten Tages wurde von Professor Pinar Akman von der Universität Leeds gehalten, in dem sie auf die komplexe Frage der Definition des Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung im EU-Wettbewerbsrecht einging. In den letzten Jahren hat die Regulierung die Wichtigkeit der Bekämpfung des Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung deutlich gemacht, insbesondere im Zusammenhang mit digitalen Märkten und Torwächtern. Doch was genau einen Missbrauch darstellt, ist keineswegs klar. In ihrer Keynote analysierte Professor Akman die Entwicklung der Rechtsprechung zum Missbrauch im EU-Wettbewerbsrecht und zeigte deren Unzulänglichkeiten und Unklarheiten auf. Der Vortrag zeichnete ein klares Bild der Herausforderungen in diesem Bereich des Wettbewerbsrechts, ausgehend von den Definitionen von Ausschluss- und Ausbeutungsmissbrauch bis hin zu den verschiedenen Tests für missbräuchliches Verhalten, von der etwas verloren gegangenen Unterschiedung zwischen dem ‘as efficient competitior test’ und dem ‘as efficient competitor standard’ bis hin zur Förderung der Vorabregulierung, die auf Big Tech und die digitalen Torwächter abzielt. Laut Professor Akman hat sich die Rechtsprechung hin zu einem weniger formalistischen und mehr wirtschaftlichen Ansatz entwickelt. Gleichzeitig sei die Kommission zugunsten eines „ganzheitlichen” Ansatzes davon abgerückt.

Auch der zweite Tag der Konferenz umfasste eine Vielzahl von Themen, die von der Gestaltung von Plattformen über Energie- und Transportwirtschaft bis hin zur Innovationsökonomie reichten. Eine Sondersitzung über Firmenfusionen wurde vom Bundeskartellamt angeboten, in der Chefökonom und einer seiner Stellvertreter zwei aktuelle Fusionsfälle vorstellten. In zwei eingeladenen Sitzungen wurden außerdem neue und zeitgemäße Einblicke in die Ökonomie von Akquisitionen und Patenten gegeben. Der Höhepunkt des zweiten Konferenztages war die Keynote von Professor Leslie Marx von der Duke University.

Preiskoordination bei asymmetrischem Informationsaustausch

Leslie Marx (Duke University) über asymmetrischen Informationsaustausch und Wettbewerb.

Die Hauptrednerin am zweiten Tag der Konferenz war Professor Leslie Marx von der Duke University. Auf Grundlage ihrer jüngsten Forschungsarbeiten beleuchtete Professor Marx die Beziehung zwischen asymmetrischem Informationsaustausch und Oligopolpreisen. Die gängige Meinung, dass der Wettbewerb durch den Austausch von Preisinformationen schwächer wird, beruht auf der Annahme, dass die Fähigkeit der Unternehmen, Informationen auszutauschen, symmetrisch ist. Nach Ansicht von Professor Marx habe die Struktur des Informationsaustausches zwischen Oligopolisten einen direkten Einfluss auf das Ausmaß der von den Unternehmen ausgeübten Marktmacht. Zur Veranschaulichung dieser Erkenntnisse entwickelte sie eine neue ökonomische Theorie und bestätigte deren Ergebnisse im Rahmen einer empirischen Untersuchung eines prominenten Kartellfalls im australischen Benzineinzelhandel. Die Forschungsarbeit von Professor Marx und ihren Mitautorinnen und –autoren befasst sich mit einem Bereich, der in den Wirtschaftswissenschaften meist übersehen wird, sowohl in früheren Studien als auch in den Regelungsrahmen. Ihre Arbeit dient als warnendes Beispiel für die Kartellbehörden und verdeutlicht die Komplexität, die mit der Schaffung sicherer Häfen für Informationen verbunden ist.

Über MaCCI

MaCCI steht für „Mannheim Centre for Competition and Innovation“. MaCCI ist ein Forschungsverbund zwischen dem ZEW und der Fakultät für Rechtswissenschaften und Volkswirtschaftslehre der Universität Mannheim, der den Austausch zwischen Juristen/-innen und Ökonomen/-innen stärkt und damit in Fragen der Wettbewerbs-, Regulierungs- und Innovationspolitik neue Impulse gibt. Zu den Kernthemen, die im Rahmen von MaCCI untersucht werden, gehören neben vertikalen Wettbewerbsbeschränkungen, Missbrauch von Marktmacht, Fusionskontrolle und der privaten und öffentlichen Durchsetzung des Kartellrechts sowie die Regulierung des Telekommunikations- und Energiesektors.

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