Spätestens mit der Veröffentlichung des Vierten Sachstandsberichts des Weltklimarats in 2007 ist wissenschaftlich nicht mehr ernsthaft zu bestreiten, dass der Klimawandel primär durch anthropogene Einflüsse, genauer durch die Emission von Treibhausgasemissionen verursacht ist und bedrohliche Folgen für Menschen haben wird. Treibhausgasemissionen haben zwei entscheidende Merkmale, ein räumliches und ein zeitliches. Für die globale Erderwärmung und deren schädliche Folgewirkungen macht es keinen Unterschied, wo auf der Erde Treibhausgasemissionen emittiert werden, in den USA, Europa oder aufstrebenden Entwicklungsländern. Faktisch sind freilich die Folgelasten des Klimawandels weltweit höchst ungleich verteilt, und zwar umgekehrt proportional zur Verursachung. Zudem haben Emissionen langfristige Konsequenzen, so dass sie auch die Lebensgrundlagen zukünftiger Generationen beeinflussen. Daraus ergibt sich eine komplexe Verschränkung von Problemen globaler und intergenerationeller Gerechtigkeit.

In diesem Vortrag wird die intergenerationelle Gerechtigkeit im Vordergrund stehen, da diese Überlegungen den Ausgangspunkt für eine integrierte Gerechtigkeitsreflexion im Kontext des Klimawandels darstellen. Für eine solch integrierte Betrachtung sind drei zentrale Fragen zu adressieren:

1) Haben zukünftig Lebende Menschen Gerechtigkeitsansprüche gegenüber jetzt Lebenden, die uns Verpflichtungen auferlegen, bestimmte Handlungen auszuführen bzw. zu unterlassen ("scope of justice")?

2) Wenn ja, wieviel schulden wir zukünftigen Generationen ("pattern of justice")? In diesem Zusammenhang ist auch zu erörtern, wie aus ethischer Sicht angemessen mit dem Faktum der Unsicherheit umzugehen ist und inwiefern dabei auch die höchst ungleiche Verteilung der Verursachung wie auch der Folgelasten des Klimawandels zu berücksichtigen ist.

3) Schließlich sind die ersten beiden Fragen auch hinsichtlich eines angemessenen Verständnisses von Wohlfahrt zu spezifizieren; d.h. es gilt zu klären, wieviel von was wir zukünftigen Generationen schulden ("currencies of justice")?

Im Rahmen der Überlegungen zu den einzelnen Fragen kann auch jeweils untersucht werden, welche Bedeutung ökonomische Betrachtungen haben und wo ihre Grenzen liegen.

Redner/-in

Johannes Wallacher

Termin

29.01.2009 | 16:00

Veranstaltungsort

ZEW, L 7,1 D-68161 Mannheim

Raum

Heinz-König-Hall

Kontakt

Senior Researcher