Um eine Wende hin zu nachhaltigem Konsum und nachhaltiger Produktion zu analysieren, ist ein interdisziplinärer ko-evolutionärer Ansatz relevant. Es gibt laufende Diskussion über die Ausgestaltung eines solchen Ansatzes. Das von Nelson und Consoli im "Journal of Evolutionary Economics" (2010) veröffentlichte Paper "An Evolutionary Theory of Household Consumption Behaviour" beschäftigt sich mit dem Thema nachhaltiger Konsum. Ziel ihrer Diskussion ist die Entwicklung einer Theorie, die das Verhalten von Haushalten realistischer einbezieht als neoklassische Ansätze.

Evolutionsökonomische Ansätze basieren auf der Annahme, dass Konsumentenpräferenzen nicht stabil sind und somit keine kohärente Nutzenfunktion vorliegt. Es wird hingegen davon ausgegangen, dass Bedürfnisse von Konsumenten durch unterschiedliche Produkte und Dienstleistungen befriedigt werden können. Des Weiteren sind Konsumenten nicht nur durch das ihnen zur Verfügung stehende Budget, sondern auch durch die verfügbare Zeit eingeschränkt. Somit lassen sich Verhaltensroutinen, wie z. B. bei der Stromnutzung, einfacher erklären. Dem oben genannten Artikel zufolge sind die Kernpunkte einer solchen Theorie:

  • die Berücksichtigung der Rolle der Kultur,
  • die Berücksichtigung von Eigenschaften mechanistischen Verbraucherverhaltens (Imitation, Wiederholung)und der Interaktion mit anderen Konsumenten
  • die Berücksichtigung von Verhaltensroutinen sowie
  • die Berücksichtigung von Lernprozessen und der Rolle der Konsumerfahrung

Diese wissenschaftliche Diskussion ist bisher noch nicht mit der inter- und transdisziplinären Forschungslandschaft, zum Beispiel dem Programm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) zur Förderung der Sozial-ökologischen Forschung (SÖF) oder vorangegangenen Programmen im Bereich der Sozial-ökologischen Forschung, verknüpft worden. Verfolgt man evolutionsökonomische Ansätze, kann wertvolles empirisches Material dieser Forschungsprogramme sehr effizient genutzt werden. Hindernisse für den Übergang zu nachhaltiger Produktion, wie zum Beispiel Lock-in-Effekte durch veraltetet technische Trajektorien, die den Hindernissen auf Seiten der Konsumenten sehr ähneln, sind bereits gründlich von Evolutionsökonomen (z. B. Kemp und Foxon) untersucht worden. Ziel dieses Workshops ist die Ausgestaltung eines evolutionsökonomischen Ansatzes zur Analyse von Lead Markets für nachhaltige Investitionen.

Ziele des Workshops

Um Fortschritte bei der Analyse und Erklärung nachhaltigen Konsums und nachhaltiger Produktion machen zu können, sollen die empirischen Ergebnisse des Forschungsprogramms "Wirtschaftswissenschaft und Nachhaltigkeit" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) mit führenden Evolutionsökonomen diskutiert werden. Dafür eignen sich besonders eine Nebenveranstaltung einer evolutionsökonomischen Konferenz sowie ein Vorbereitungsworkshop. Somit ergeben sich für diesen Workshop folgende Ziele: a) die Zusammenführung von Akteuren aus den Bereichen evolutionsökonomische und Sozial-ökologische Forschung und b) die Vorbereitung einer Nebenveranstaltung bei der alle zwei Jahre stattfindenden Konferenz der International Schumpeter Society (ISS), die in der zweiten Juliwoche 2012 in Brisbane, Australien, stattfinden wird.

Programm

Donnerstag, 1. September
1. Tag: Nachhaltiger Konsum

14:00 Einführung
Klaus Rennings, ZEW

14:30 A Coevolutionary Framework for Analysing a Transition to a Low Carbon Economy
Tim Foxon, University of Leeds

15:15 The Dual Challenge of Sustainability Transitions
René Kemp, University of Maastricht

16:00 Kaffeepause

16:30 Applying the Stage Model of Self-Regulated Behavioural Change
Sebastian Bamberg, Fachhochschule Bielefeld

17:00 Path Dependence, Routines and Habits in Sustainable Energy Consumption
Stefan Zundel, Fachhochschule Lausitz

17:30 The Influence of Life Events on Sustainable Energy Consumption
David Arnold, Universität St. Gallen

18:00 Adoption of Energy Efficiency Technologies - The Example of Smart Metering
Karolin Tampe-Mai, Birgit Mack, Universität Stuttgart

18:30 Fingerfood

19:30 Ende

Freitag, 2. September
2. Tag: Nachhaltige Produktion, Lead Markets

10:00 A Co-Evolutionary Approach to Lead Markets of Environmental Innovation
Rainer Walz, Fraunhofer ISI Institute , Karlsruhe

10:30 Towards a Strategic Framework for Promoting Environmental Innovations
Rainer Quitzow, Freie Universität Berlin

11:00 Kaffeepause

11:30 Dynamic Governance of Clean-Energy Markets
Martin Jänicke, Freie Universität Berlin

12:00 First and Second Mover Advantages for Pioneering Countrieson Environmental Markets - From National Lead Market to Lead Supplier Strategies
Klaus Rennings, ZEW

12:30 Modelling Lead Markets in a System Dynamics Model
Rainer Walz, Fraunhofer ISI Institute, Karlsruhe

13:00 Mittagessen

14:00 Ende der Veranstaltung

Termin

01.09.2011 - 02.09.2011

Veranstaltungsort

ZEW, L 7,1 D-68161 Mannheim